21/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Ossingen

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Umfasst das Haufendorf O., die Weiler Burghof, Gisenhard, Hausen und Langenmoos, die Höfe Werdhof, Ziegelhütte und Dachsenhausen sowie Schloss Widen. 1230 de Ozzingin. Im 15. Jh. 330 Einw.; 1682 974; 1850 1'198; 1900 930; 1950 805; 2000 1'272.

Neolith. Sumpfrandsiedlungen am Husemersee, hallstattzeitl. Grabhügel im Speck und im Hattlebuck, röm. Funde im Goldbuck (Kalkbrennofen) und bei Burghof (Brandgrab), frühma. Gräberfeld im Goldbuck. Ein Kelnhof war im HochMA grund- und gerichtsherrl. Verwaltungszentrum des Klosters Reichenau, danach Reichenauer Lehen der Kyburger, nach deren Aussterben 1264 der Habsburger. 1377 als Teil des ehemaligen habsburg. Amts Andelfingen an die Hohenlandenberger verpfändet, kam O. 1434 mit diesem an Zürich. Religiöses Zentrum war bis 1814 die Kirche Hausen, auch nachdem die St. Gallus geweihte Kapelle in O. 1651 zur Kirche umgebaut und der Gottesdienst dorthin verlegt worden war. Kollatur und Zehnten gehörten bis ins 14. Jh. dem jeweiligen Grund- und Gerichtsherrn, danach dem Domstift Konstanz, 1649 pfandweise der Stadt Winterthur, ab 1674 der Stadt Zürich.

Zur Zeit der Reformation hielten sich alter Volksglaube und das Wiedertäuferwesen in O. hartnäckig. 1574 wurde Ursula Dachsenhauser als angebliche Hexe verbrannt. Im 16. Jh. schloss sich die von der Minderheit der Vollbauern bestimmte Dorfgemeinde ab. Sie hielt Zuzüger, aber auch die textile Heimindustrie und im 19. Jh. die moderne Industrie fern. Der Getreidebau im Dreizelgensystem wurde durch marktorientierte Weinproduktion ergänzt. O. war ab dem SpätMA Marktflecken und Säumerstation am alten Handelsweg von der voralpinen Ostschweiz nach Schaffhausen; eine Ziegel- und Kalkbrennerei bestand bis Ende des 19. Jh. Der Anschluss an die Bahnlinie Winterthur-Singen 1875 brachte kaum Wachstumsimpulse. Die Güterzusammenlegung um 1935 und die Aussiedlung ab 1947 verliehen der Landwirtschaft ein neues Gesicht. Im Gebiet der Seen wurde in beiden Weltkriegen industriell Torf gewonnen. Das jüngste, massvolle Wachstum setzte innerhalb zurückhaltender Planung erst ca. 1980 ein, als immer noch 30% der Bevölkerung im Landbau beschäftigt waren. O. entwickelte sich zur bevorzugten Wohngemeinde von Pendlern nach Winterthur und Zürich mit umfassender Infrastruktur und beispielhaft geschützter Landschaft am Husemersee und an der Thur. Die weitgehend erhalten gebliebene bäuerl. Bausubstanz aus dem 17. bis 19. Jh. wird in schonender Weise für Wohnzwecke und Gewerbe umgenutzt. 2001 erhielt die Gem. das Label Energiestadt.


Literatur
– E. Oertli, Die Gem. O., Ms., 1953, (StAZH)
– O. Sigg, Gesch. der Gem. O., 1988

Autorin/Autor: Otto Sigg