• <b>Willi Ritschard</b><br>An der Tagung der Sozialistischen Internationale vom November 1982 in Basel, im Gedenken an den Friedenskongress von 1912  © KEYSTONE / Michael Kupferschmidt. Von links nach rechts: Lionel Jospin, Sekretär der Sozialistischen Partei Frankreichs, Willy Brandt, alt Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und Bundesrat Willi Ritschard.

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Ritschard, Willi

geboren 28.9.1918 Deitingen, gestorben 16.10.1983 Grenchen, ref., von Oberhofen am Thunersee und Luterbach. Sohn des Ernst Emil, Schuhmachers und sozialdemokrat. Politikers, und der Frieda geb. Ryf. ∞ 1941 Margaretha Hostettler, Tochter des Ernst. Lehre als Heizungsmonteur, 1936 Lehrabschluss. Weiterbildung in der Arbeiterschule von Max Weber und Walter Ingold. Ab 1943 hauptamtl. Sekretär der Sektion Solothurn des Schweiz. Bau- und Holzarbeiterverbands, 1955-63 Präs. des Solothurn. Gewerkschaftskartells, 1957-83 Präs. des Vereins zur Förderung der Arbeiterschule. 1945-63 sozialdemokrat. Kantonsrat, 1947-59 Ammann seiner Wohngemeinde Luterbach, 1955-63 Nationalrat, 1964-73 Solothurner Regierungsrat. Dez. 1973 Wahl in den Bundesrat gegen den offiziellen Kandidaten der SP, Arthur Schmid; zunächst Vorsteher des Verkehrs- und Energie-, ab 1980 des Finanzdepartements, 1978 Bundespräsident.

<b>Willi Ritschard</b><br>An der Tagung der Sozialistischen Internationale vom November 1982 in Basel, im Gedenken an den Friedenskongress von 1912  © KEYSTONE / Michael Kupferschmidt.<BR/>Von links nach rechts: Lionel Jospin, Sekretär der Sozialistischen Partei Frankreichs, Willy Brandt, alt Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und Bundesrat Willi Ritschard.<BR/>
An der Tagung der Sozialistischen Internationale vom November 1982 in Basel, im Gedenken an den Friedenskongress von 1912 © KEYSTONE / Michael Kupferschmidt.
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Ingold und Weber prägten den Gewerkschafter R., der sich zeitlebens für die Arbeiterbildung einsetzte. Als Regierungsrat zeichnete er sich in der Konferenz der kant. Finanzdirektoren aus und präsidierte die interkant. Kommission zur Steuerharmonisierung. Er sass auch im Verwaltungsrat der Atel und wurde Befürworter der Kernenergie. Als Bundesrat setzte R. 1974 eine Komm. für eine Gesamtenergiekonzeption ein. Im Konflikt um die Nutzung der Kernenergie konnte er eine offene Konfrontation um das Kernkraftwerkgelände von Kaiseraugst vermeiden. Das aus seinem Departement stammende Atomgesetz wurde 1979 vom Volk angenommen. Von den Vorschlägen der Gesamtverkehrskonzeption wurde nur die 1984 eingeführte Schwerverkehrsabgabe realisiert. Die neue Bundesfinanzordnung von 1981 brachte er zwar durch die Volksabstimmung, hatte aber in den Räten starke Abstriche hinnehmen müssen. Durch seine volksnahe Ausdrucksweise und durch sein unkompliziertes Auftreten wurde er zur Identifikationsfigur vieler Bürger. Als Sozialdemokrat vertrat er den gewerkschaftl.-traditionellen Flügel und predigte polit. Pragmatismus, wandte sich aber ebenso entschieden gegen die Diffamierung polit. Visionen.


Literatur
Willi R., hg. von P. Hablützel et al., 1983
Willi R.: Bilder und Reden aus seiner Bundesratszeit, hg. von F.A. Meyer, 1984
– Altermatt, Bundesräte, 545-550

Autorin/Autor: Jean-Maurice Lätt