• <b>Hermann Obrecht</b><br>Porträt des Bundesrats, um 1935 (Schweizerische Nationalbibliothek).

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Obrecht, Hermann

geboren 26.3.1882 Grenchen, gestorben 21.8.1940 Bern, ref., von Grenchen. Sohn des Mathäus Josef, Uhrmachers und Landwirts, und der Anna Maria geb. Lutiger, Heimarbeiterin. ∞ 1907 Lina Emch. Lehrerseminar in Solothurn, 1901 Primarlehrerpatent. Lehrer in Welschenrohr, 1902 Kanzlist der Amtsschreiberei Solothurn, 1904 Sekr. im Finanzdepartement des Kt. Solothurn, 1907 Redaktor der "Solothurner Zeitung". 1909-17 freisinniger solothurn. Regierungsrat (Finanz- und Militärdepartement), 1917-33 solothurn. Kantonsrat, 1917-28 Nationalrat. Teilhaber am Notariatsbüro seines Bruders Werner, Mitglied in Verwaltungsräten, u.a. der Metallwerke Dornach, der Solothurn. Kantonalbank und des Schweiz. Bankvereins, 1931 Präs. der Asuag. O. profilierte sich auf Bundesebene als Gegner des Landesstreiks. Auch in freisinnigen Kreisen umstritten war seine Rolle als Verwaltungsratspräsident der Waffenfabrik Solothurn AG mit dt. Mehrheitsbeteiligung. 1935 wurde er mit Unterstützung der Katholisch-Konservativen (Heinrich Walther) und der BGB (Rudolf Minger) als Nachfolger von Edmund Schulthess in den Bundesrat gewählt. Als Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements unterstützte O. 1936 die Abwertung des Schweizer Frankens. Seine Vorlage zum Ausbau der Landesverteidigung und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wurde 1939 vom Volk deutlich angenommen und seine Lohnersatzordnung für Wehrmänner von 1940 diente nach dem 2. Weltkrieg als Grundlage bei der Einrichtung der AHV. Ansehen in der Bevölkerung verschaffte ihm eine Rede in Basel am 16.3.1939, welche nach dem Anschluss Österreichs als Aufforderung zum Widerstand gegen Nazi-Deutschland verstanden wurde. 1940 trat O. aus gesundheitl. Gründen aus dem Bundesrat zurück. Mit dem Aufbau einer neuen Kriegswirtschaft trug O. wesentlich zur Stabilisierung der Schweiz im 2. Weltkrieg bei. Oberstleutnant.

<b>Hermann Obrecht</b><br>Porträt des Bundesrats, um 1935 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>
Porträt des Bundesrats, um 1935 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Literatur
– H. Böschenstein, Bundesrat O., 1882-1940, 1981
– Altermatt, Bundesräte, 395-399
– R. Bill, Waffenfabrik Solothurn, 2002, 124-127

Autorin/Autor: Jean-Maurice Lätt