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No 1

Hammer, Bernhard

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geboren 3.3.1822 Olten,gestorben 6.4.1907 Solothurn, kath., von Olten. Sohn des Josef Bernhard, Wirts des Gasthofs Halbmond in Olten, und der Virginia geb. Madeux, von Arlesheim. ∞ 1) 1853 Gertrud Jäggi, von Leuzigen, Tochter eines Bauern (gestorben 1881), 2) 1884 Anna Froelicher, Tochter des Johann Friedrich, Kaufmanns. Der eifrige Pelotonführer im Oltner Kadettenkorps und begeisterte Zofinger am Kollegium in Solothurn liess sich 1844 nach naturwissenschaftl. und jurist. Studien in Genf, Freiburg i.Br., Berlin und Zürich als Fürsprecher und Notar in Solothurn nieder. 1853-56 als Amtsgerichtspräsident und 1856-68 als Solothurner Kantonsrat amtierend, galt H. bald als Führer der Altliberalen und der Opposition gegen das radikal-liberale Regiment des Landammanns Joseph Wilhelm Viktor Vigier von Steinbrugg. Reinen Parteiinteressen abhold, verlegte er sich jedoch mehr auf seine militär. Karriere. Von General Henri Dufour bereits im Sonderbundsfeldzug persönlich ausgezeichnet, wurde der Generalstabsoffizier H. 1858 zum Major und 1862 zum Obersten befördert. 1861-68 war er Oberinstruktor (Waffenchef) der Artillerie und anschliessend bis 1875 schweiz. Gesandter in Berlin.

H.s Ruf als hervorragender Jurist, Militär und Diplomat ebnete ihm den Weg in den Bundesrat. Mit Ausnahme des Jahres 1878, als er das Polit. Departement leitete, stand er 1875-90 dem Finanz- und Zolldepartement vor (1879 und 1889 Bundespräsident). Er bewährte sich bei der Neuordnung der Bundesfinanzen und der Reorganisation des bis anhin als wenig gewichtig eingestuften Finanzdepartements, in der Frage des Alkohol- und Banknotenmonopols, in den Zolltarifverhandlungen sowie in der Beilegung der Wohlgemuth-Affäre. In seine Amtszeit fiel auch die Einführung der Militärpflichtersatzsteuer, die Schaffung des Banknotengesetzes und die Revision des Münzgesetzes. Im Übrigen spielte der auf Ausgleich bedachte H. in der Beilegung des Kulturkampfes hinter den Kulissen eine wichtige Vermittlerrolle. Nach dem Rücktritt 1890 sass H. für die Liberalen bis 1896 im Nationalrat. Diesen ungewöhnl. Werdegang verdankte er seiner guten Gesundheit sowie seinen Finanz- und Verwaltungskenntnissen. Zudem wirkte er als tonangebender Verwaltungsrat der Gotthardbahn. Er starb 1907 hochgeachtet.


Literatur
– E. Fischer, Bundesrat Bernhard H., 1822-1907, und seine Zeit, 1969
Livre du Recteur 4, 13
– Altermatt, Bundesräte, 212-217

Autorin/Autor: Thomas Wallner