Turiner Vertrag (1754)

1536 vermochte Genf nur ein begrenztes und zersplittertes Gebiet von unterschiedl. Rechtsstatus rund um die Stadt dauerhaft zu unterwerfen. Ständige Konflikte mit den Nachbarstaaten Frankreich und Savoyen waren die Folge. Streitgegenstand waren v.a. Güter - Dörfer wie Äcker und Einzelhöfe -, die das Domkapitel und das Priorat Saint-Victor abgetreten hatten. Sie lagen weit zerstreut in über 50 Orten - vorwiegend in den Vogteien Ternier und Gaillard -, in denen Genf nur die Niedergerichtsbarkeit ausübte. Die bereits im 16. Jh. aufgenommenen Verhandlungen, die eine Gebietskonzentration Genfs bezweckten, führten erst in der Zeit intensivierter Grenzverträge zum Erfolg, ohne allerdings die erhoffte territoriale Anbindung Genfs an die Eidgenossenschaft zu erreichen. Nach Grenzverträgen 1726 mit Bern und v.a. 1749 mit Frankreich (Vertrag von Paris) führte der von Pierre Mussard ausgehandelte und am 3.6.1754 mit Kg. Karl Emanuel III. von Sardinien geschlossene T. zu einer Entspannung zwischen den beiden Ländern. Genf zahlte 50000 Kronen und trat 6'973 Jucharten ab, Sardinien 5'357. Die meist ref. Einwohner der abgetretenen Gebiete erhielten das Recht, ihre Religion 25 Jahre lang weiter frei auszuüben.


Literatur
– S. Coram-Mekkey et al., Pouvoirs partagés en Genevois, 2007
– D. Carpanetto, Divisi dalla fede, 2009, 227-254

Autorin/Autor: Salomon Rizzo / AL