Tagwacht

Name mehrerer sozialdemokrat. Zeitungen. "Die T." in Zürich erschien ab 1869 als Organ der Sozialdemokraten und Gewerkschaften mit Herman Greulich als Redaktor, ab April 1870 als Wochenblatt. 1873 übernahm der schweiz. Arbeiterbund "Die T." und gab sie zweimal wöchentlich heraus. Ihren Höhepunkt erreichte sie Mitte der 1870er Jahre mit einer Auflage von etwa 2'000 Exemplaren. Die Wirtschaftskrise und die Auflösung des Arbeiterbunds führten 1880 zur Einstellung des Blatts. Die "Berner T." wurde 1892 als Organ der kant. SP gegründet und kam ab 1906 als Tageszeitung heraus. 1909-18 machte der Redaktor Robert Grimm aus ihr ein führendes Kampfblatt der Arbeiterschaft, das im 1. Weltkrieg auch international Beachtung fand. Die Auflage betrug 1894 2'300 Exemplare und stieg in den 1930er Jahren auf rund 20'000. In den 1970er Jahren schloss die "Berner T." Kooperationsverträge mit sozialdemokrat. Tageszeitungen anderer Kantone ab, so mit der "Basler Arbeiter-Zeitung" bis 1984 und mit dem "Freien Aargauer" bis 1987. Um ihr Überleben zu sichern, erliess sie Ende der 1980er Jahre Solidaritätsappelle an SP-Mitglieder und Gewerkschafter. Trotzdem wurde sie 1997 wegen finanzieller Probleme eingestellt. 1918 erschien die "Seeländer T.", 1896-97 die "Oltner T.", 1924-1925 und 1929-1933 die "Schaffhauser T." sowie 1943 die illegale "Neue Berner T.", die als einzige kommunistisch ausgerichtet war.


Archive
– Sozarch, Teilarchiv der Berner T.
Literatur
– Blaser, Bibl., 154, 740, 881, 926, 1001
– Gruner, Arbeiter, 760-764
– R. Kohli, 100 Jahre Berner T., Liz. Bern, 1992

Autorin/Autor: Ernst Bollinger