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Moosseedorf

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Fraubrunnen. Gem. im Moosseetal mit Dorf M. und Weilern Sand, Tannacker und Anteil am See; gehört zu Kirchgemeinde und Gemeindeverband Münchenbuchsee mit eigenem Pfarramt und Friedhof. 1242 Sedorf, 1389 Mossedorf, ab 18./19. Jh. offiziell M. zur Unterscheidung von Seedorf bei Aarberg. 1764 255 Einw.; 1850 584; 1900 573; 1950 819; 1960 833; 2000 3'584.

1 - Prähistorischer Fundort

Südöstlich des Moossees liegen die zwei Freilandstationen Mossbühl I und II aus dem Ende der Altsteinzeit auf einer flachen Bodenerhebung. Seit der Entdeckung 1860 wurden nur auf Ersterer grossflächige Grabungen durchgeführt. Sie ist mit 70'000 Silices eine der grössten Magdalénien-Fundstellen der Schweiz am Ende der letzten Eiszeit (um 13'500 v.Chr.) und dank optimaler Erhaltungsbedingungen eine der bedeutendsten Freilandstationen dieser Zeit im Alpenvorland überhaupt. Besondere Funde sind eine Nadel aus Knochen, Ockerkügelchen (Färbmittel), Lignitperlen, eine stark abstrahierte Frauenstatuette aus Gagat (Höhe 2,2 cm) sowie Bruchstücke von importiertem Bernstein aus dem Ostseegebiet. Unter dem Gerätebestand aus Silex findet sich ein hoher Anteil an sog. Rückenmessern. Fundhäufungen, Feuerstellen sowie radial angeordnete, schwache Pfostenabdrücke wurden als Zeltstandorte gedeutet. Nach Ausweis der Knochenreste war das Rentier die mit Abstand wichtigste Jagdbeute.

Ausgrabungen an beiden Enden des Moossees brachten 1856 die Überreste von jungsteinzeitl. Ufersiedlungen zum Vorschein. Die sehr viel umfangreichere Station "Ost" gehört aufgrund der gefundenen Keramik zur Hauptsache in die Zeit der Cortaillodkultur (1. Hälfte 4. Jt. v.Chr.). Beim Bau des Grauholzdenkmals kam angeblich ein spätbronzezeitl. Grab (um 1300 v.Chr.) zu Tage. Es soll zwei Nadeln, zwei Armspangen und eine Bronzespirale enthalten haben.

Autorin/Autor: Felix Müller (Bern)

2 - Mittelalter und Neuzeit

Der Ort gehörte den kyburg. Ministerialen von Seedorf, die auch "Moser" genannt wurden. Die Angehörigen dieses Geschlechts sind im 13. und 14. Jh. bezeugt; ihre Wasserburg lag 100 m nordöstlich der Kirche. 1242 stritten sie mit dem Priorat der St. Petersinsel um den Kirchensatz. 1256-57 übergaben Ulrich und Berchtold von Seedorf den Johannitern in Münchenbuchsee tauschweise ihren Besitz in M.: Burg, Kirche, See, Bach, Güter und Leute. Die Kirche (rom. Bau mit Vorgänger, Chorneubau um 1520-25) war ab 1256 Filiale von Münchenbuchsee. Nach der Säkularisation der Kommende Münchenbuchsee 1528 kam M. zur Landvogtei Münchenbuchsee als Teil des dortigen Niedergerichts. 1721 übergab Bern M. im Tausch an Hieronymus von Erlach, der das lokale Gericht mit jenem in Hofwil verband. 1803 erfolgte die Zuteilung zum Amt Fraubrunnen. Das Ackerbauerndorf M. hatte im Moos Weidegemeinschaft mit Münchenbuchsee (Streit 1537, Nutzungsreglement 1688). In den 1770er Jahren wirkte Johann Rudolf Tschiffeli von seinem Landsitz Hof aus auf eine verbesserte Landwirtschaft und die Entsumpfung des Moosseetals hin. Um 1780 wurde die Urtenen tiefer gelegt und eine erste Güterzusammenlegung vorgenommen. Die Meliorationen von 1855-56 und 1917-20 wurden gemeinsam mit den anderen Gem. im Moosseetal durchgeführt. Trotz der Landstrasse nach Bern (1846 erneuert) und der Station der Solothurn-Zollikofen-Bernbahn (1916, heute Regionalverkehr Bern-Solothurn) blieb M. bäuerlich-kleingewerblich geprägt. Erst infolge des Baus (ab 1962) der sich auf dem Gemeindegebiet verzweigenden Autobahnen Bern-Biel (A6) und Bern-Zürich (A1) zogen Unternehmungen aus dem Dienstleistungssektor (versch. Einkaufszentren und Grossmärkte) und industrielle Betriebe (Baugewerbe) zu, und das Kleingewerbe erstarkte. Mit steigendem Arbeitsplatzangebot nahm die Bevölkerung sprunghaft zu, was den Ausbau der Infrastruktur (1966-85 drei Schulanlagen, 1985 eigene Sekundarschule) notwendig machte. 1987 wurde die Stiftung Tannacker gegründet, die ein regionales Beschäftigungs- und Wohnheim für Behinderte führt. Auf dem Boden der Gem. M. liegen ein Teil des Waffenplatzes Sand (1901-12 als Remontendepot erbaut) und das 1886 errichtete Grauholzdenkmal. Der Kleine und der Grosse Moossee stehen seit 1954 bzw. 1963 unter Naturschutz.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

Quellen und Literatur

Literatur
– K. Zimmermann, «Spulennadeln der Bronzezeit im Bern. Hist. Museum», in Jb. des Bern. Hist. Museums 49/50, 1969/70, 231-250
M., 1986.
SPM 1
– R. Buser, Bauinventar der Gem. M., 2001