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No 4

Munzinger, Josef

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geboren 11.11.1791 Olten,gestorben 6.2.1855 Bern, kath., von Olten. Sohn des Konrad, Kaufmanns und Salzfaktors, und der Elisabeth Schmid. Bruder des Ulrich ( -> 7). ∞ 1) 1815 Magdalena Brunner, Tochter des Josef, Gerbers, Gerichtsstatthalters, 2) 1819 Anna Maria Lüthi, Tochter des Josef, Bäckers. Stud. am Kollegium in Solothurn, kaufmänn. Lehre in Bologna. 1814 nahm M. am missglückten Putschversuch gegen das Solothurner Patriziat teil, worauf er einige Monate in der Verbannung in Como lebte. 1817-25 wirkte er als Oltner Gemeindeschreiber. Sein polit. Aufstieg begann 1830, nachdem er als redegewandter Führer am Balsthaler Volkstag mit Erfolg die vorbehaltlose Anerkennung der Volkssouveränität gefordert hatte. Ab 1831 amtierte er als Solothurner Gross- und Regierungsrat, ab 1833 als Landammann und stets als erster Tagsatzungsgesandter. Vom repräsentativen Staatssystem ebenso überzeugt wie von der Notwendigkeit einer bundesstaatl. Ordnung der Schweiz, war er aufklärerisch und staatskirchlich gesinnt, ohne doktrinär liberal zu sein. Als Realpolitiker verkannte er den konservativen Zug im Landvolk nicht und blieb deshalb konfessionspolitisch gemässigt. Die Verwirklichung der Rechtsgleichheit, die Befreiung von Grund und Boden, die Reform des Schulwesens und der Ausbau des Strassennetzes waren Marksteine seiner fortschrittlichen kant. Politik. Aufgrund seines langjährigen Engagements auf Bundesebene, seiner Mitgliedschaft in zahlreichen eidg. Kommissionen, seiner Vermittlertätigkeit bei der Basler Kantonstrennung 1833, im Aargauer Klosterstreit 1841, im Sonderbundskrieg 1847 sowie seinem Einsitz in der Kommission für die Verfassungsrevision wurde er 1848 für den Ständerat nominiert und im gleichen Jahr in den ersten Bundesrat gewählt. 1848-50 und 1852 war er Vorsteher des Finanzdepartements und Schöpfer der Landeswährung (Münzvereinheitlichung), wechselte in seinem Präsidialjahr 1851 ins Polit. Departement und übernahm 1853 das Post- und Baudepartement sowie 1855 das Handels- und Zolldepartement. Bis 1848 galt M. als führender Kopf der jungen, solothurn. Demokratie. In den eidg. Gremien hatte er den Ruf eines Vermittlers, dem er auch als Finanzminister gerecht wurde. Die Amtstätigkeit der letzten Jahre war von seiner Krankheit überschattet.


Literatur
– H. Haefliger, Bundesrat Josef M., 1953
– Gruner, Bundesversammlung, 426
SolGesch. 4/I
– Altermatt, Bundesräte, 121-126

Autorin/Autor: Thomas Wallner