Kaffee

Durch einen Reisebericht des Augsburger Arztes und Botanikers Leonhard Rauwolf aus dem Jahre 1582 erhielten die Europäer von dem ursprünglich aus Südäthiopien stammenden K. erstmals Kenntnis. In der Schweiz war es der Orientreisende Johann Jakob Ammann, der den "Türkentrank" 1618 öffentlich bekannt machte. Ab Mitte des 17. Jh. breitete sich das exot. Getränk in Europa aus. Der vorwiegend in den neu entstehenden Kaffeehäusern (Cafés) ausschliesslich von Männern konsumierte K. wurde aus medizin., moral. und ökonom. Gründen bald Gegenstand heftiger Kontroversen. Diese hatten jedoch nicht verhindern können, dass das Kaffeetrinken bei begüterten Städtern in der Schweiz bereits Ende des 18. Jh. zur festen Gewohnheit geworden war. Während der Konsum von K. in gewissen Gegenden bei der ländl. Bevölkerung in Form von Milchkaffee oder Kaffeemus Verbreitung fand, war er beispielsweise im Tessin zur selben Zeit noch nicht üblich. Grundsätzlich waren aber die Surrogate aus billigeren Rohstoffen (versch. Getreide, Feigen, Eicheln und v.a. Zichorien) bis nach dem 2. Weltkrieg gebräuchlicher, trotz oder wegen der im 19. Jh. neu dazugekommenen Konsumentengruppen der Frauen, Arbeiter und Kinder.

Die Verarbeitung des Rohkaffees verlagerte sich in der 2. Hälfte des 19. Jh. von den Cafetiers der Kaffeehäuser und den Haushalten vermehrt in die Grossröstereien. Neuentwicklungen kamen dazu: 1912 eröffnete die dt. Kaffee-Handels-AG (HAG) die erste Fabrik zur Herstellung koffeinfreien K.s in der Schweiz. Nestlé brachte 1938 den in der Schweiz produzierten löslichen Nescafé auf den Markt. Dank dem Wirtschaftsaufschwung und dem - im Vergleich zu den anwachsenden Einkommen - relativ niedrigen Preis stieg das Genussmittel K. nach dem 2. Weltkrieg zum Alltagsgetränk auf und verdrängte den Surrogatkaffee aus seiner Führungsposition (Nahrungs- und Genussmittelindustrie). 2002 wurden 70'624 t K. (zu einem guten Viertel aus Brasilien und Kolumbien stammend) importiert, wobei dieser hauptsächlich in der Schweiz für den Inlandkonsum aufbereitet wurde. Rund 65 Röstereien belieferten den Schweizer Markt, viele davon nur die Gastronomie. Neben den beiden grössten Produzentinnen Nestlé (löslicher K.) und Migros (Röstkaffee) figurieren als weitere wichtige Hersteller von Kaffeeprodukten Coop, Merkur, Kraft Jacobs Suchard und Haco. Mit einem durchschnittl. Pro-Kopf-Verbrauch von ca. 8,6 kg K. in den Jahren 1990-98 lag die Schweiz im europ. Mittelfeld.


Archive
– Johann Jacobs Museum, Zürich
Literatur
– U. Heise, K. und Kaffeehaus, 1987, (mit Bibl.)
– D.U. Ball, «Aspekte zur K.-Kultur in der Schweiz», in Schweizer Volkskunde 81, 1991, 2-14
– H.J. Teuteberg, «K.», in Genussmittel: ein kulturgeschichtl. Hb., hg. von T. Hengartner, C.M. Merki, 1999, 81-115, (mit Bibl.)
Genuss und Nüchternheit. Gesch. des K.s in der Schweiz vom 18. Jh. bis zur Gegenwart, hg. von R. Rossfeld, 2002

Autorin/Autor: Albert Pfiffner