15/02/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 
No 7

Buol, Karl Rudolf (von Schauenstein)

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geboren 30.6.1760 Innsbruck,gestorben 23.10.1833 St. Gallen, begraben Bischofsgruft der Kathedrale Chur. Sohn des Johann Anton Baptista ( -> 5). Stud. in Feldkirch, Dillingen an der Donau (Bayern) und Rom (Collegium Germanicum). In Chur 1777 Domherr, 1781 Domkantor, 1783 Priesterweihe. 1794 Wahl zum Bf. von Chur (Weihe in Brixen, Südtirol), 1796 Belehnung mit den Reichsregalien. Nach dem Tod des Generalvikars Franz Bernhard Göldlin von Tiefenau 1819 Administrator der ehemaligen Schweizer Quart der Diözese Konstanz. 1824-33 Bf. von St. Gallen (Doppelbistum Chur-St. Gallen).

B. war in einer Zeit des völligen Umsturzes der kirchl. und polit. Verhältnisse Bf. von Chur. Er blieb seiner adligen Herkunft auch nach dem Zusammenbruch der alten Ordnung treu. Die Neugestaltung von Kirche und Staat ging über den vortrefflich gebildeten und imponierend auftretenden Fürstbischof hinweg. 1799 floh er vor den Franzosen nach Meran (Südtirol). 1807 stellte ihn die bayr. Regierung an die Grenze, da sie in ihm die Seele des Tiroler Volksaufstands gegen die bayr. Okkupation sah. Im selben Jahr gründete B. in den Gebäuden der ehemaligen Prämonstratenserabtei das Priesterseminar St. Luzi. 1809 brachte er sich, immer noch von der bayr. Regierung verfolgt, in Solothurn in Sicherheit. Ende 1814 kehrte B. nach Chur zurück. 1808 war die Diözese Chur auf ihre schweiz. Territorien reduziert worden. Der Verlust des österr. Bistumsgebiets hatte die Diözese um reiche Einkünfte gebracht und zugleich die Stellung der Bündner Regierung bzw. des Corpus catholicum dem Bischof gegenüber gestärkt. Dies führte zu jahrelangen Auseinandersetzungen. Die Administration der Schweizer Quart des ehemaligen Fürstbistums Konstanz wurde B. wegen der versch. Bistumsprojekte zur grossen Last. Sorgenvoll gestalteten sich für ihn auch die Jahre als Oberhirte des Doppelbistums Chur-St. Gallen. Die St. Galler Geistlichkeit stand mehrheitlich in der konstanz.-wessenberg. Tradition, die dem Bistum Chur fremd war. Unüberwindlich waren die Spannungen der St. Galler Behörden und Geistlichen mit dem im Ancien Régime verhafteten Oberhirten. Das Zerwürfnis eskalierte im sog. Fuchsen-Handel (Alois Fuchs). Mit B.s Tod endete die kurzlebige Verbindung der beiden Bistümer.


Literatur
– O. Pfyl, «Alois Fuchs, 1794-1855», in MHVS 64, 1971, 1-270; 71, 1979, 1-220; 73, 1981, 221-364; 74, 1982, 369-585
HS I/1, 501 f.; I/2, 1019

Autorin/Autor: Leo Ettlin