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Candrian, Johann Christoph

geboren 1.6.1849 Bonaduz, gestorben 16.5.1928 Chur, kath., von Bonaduz. Aus Bauernfamilie. 1868 Auswanderung zu seinem Bruder Josef Anton nach Kaluga (Zentralrussland), um Zuckerbäcker zu werden. C. errichtete jedoch in Nowoborisow an der Beresina ein kleines Imperium als Verlagsindustrieller, was ihm den Namen Gouverneur von Borisow eintrug. Bis zu 30'000 Bauern in den Gouvernements Minsk, Mohiljow, Smolensk und Witebsk lieferten v.a. im Herbst Haselreifen und Körbe als Verpackungsmaterial für die Zement- und die Zuckerindustrie sowie für die Fischerei. C. exportierte sogar nach Deutschland und England. Der 1. Weltkrieg und der russ. Bürgerkrieg ruinierten sein Unternehmen; er selber wurde 1916 wegen angebl. Deutschfreundlichkeit zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Im Sommer 1920 floh C. vor den Bolschewiken und kehrte mittellos in sein Heimatdorf zurück, wo er dr Russ genannt wurde.


Literatur
– R. Bühler, Bündner im Russ. Reich, 1991

Autorin/Autor: Roman Bühler