19/01/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Fischingen (Kloster)

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Benediktinerabtei bis 1848, seit 1977 Benediktinerpriorat, am Oberlauf der Murg, in der Gem. Fischingen TG. Bis 1814 Diözese Konstanz, seit 1829 Diözese Basel. Patrone: Maria, Johannes der Täufer, Johannes der Evangelist. Kurz vor 1138 (Fishine, Vishina, 1259 Piscina) vom Konstanzer Bf. Ulrich II. in dessen Herrschaftsgebiet gegründet.

Der erste Abt, Waltram (1138-46), baute die Kirche sowie gesonderte Behausungen für Mönche, Nonnen und Gäste. Das bischöfl. Eigenkloster F. war anfänglich ein Doppelkloster; der Frauenkonvent ist wahrscheinlich schon im 13. Jh. eingegangen. Nach erster Blüte zählte das Männerkloster im 13.-16. Jh. kaum mehr als zehn Mönche. Diese betreuten neben dem klösterl. Leben die inkorporierten Pfarreien Bettwiesen, Bichelsee, Dussnang (mit Au), F. selbst und Sirnach. Infolge des bischöfl. Freiheitsbriefes von 1409 erwarb F. in den folgenden Jahrzehnten die Vogteien Bichelsee, Balterswil und Krillberg. Mit der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen wurden diese Schirmherren des Klosters. Abt Heinrich Schüchti (1466-1510) förderte den Kult der um 1200 verstorbenen Klausnerin Idda. 1481 schrieb Albrecht von Bonstetten die Legende der Heiligen; 1496 liess Schüchti das spätgot. Idda-Grabmal errichten. 1526 traten Abt Heinrich Stoll von Zürich und die wenigen Mönche zur Reformation über, das Klosterleben erlosch. Die Wiedererrichtung des Klosters erfolgte durch die kath. Orte, die 1532 zwei Priester einsetzten und 1540 den St. Galler Konventualen Markus Schenkli als neuen Abt von F. forderten. Nach Krisenjahren erlebte F. unter Abt Christoph Brunner (1574-94) einen Aufschwung: neue Konventgebäude wurden errichtet, eine solide Ausbildung der Mönche eingeführt und 1580 die Idda-Bruderschaft gegründet. Ausserdem fand in den Klosterpfarreien eine Rekatholisierung statt.

Eine Reihe hervorragender Äbte führte in der Barockzeit den Konvent von stets 30-34 Mönchen zu einer religiösen, geistigen und kulturellen Blüte. Abt Placidus Brunschwiler sicherte in seiner langen Regierung (1616-72) durch geschickte Wirtschaftsführung und Neuerwerbungen die materielle Grundlage des Klosters und pflegte den monast. Geist. Unter Abt Joachim Seiler (1672-88) stand der Konvent auf dem Höhepunkt des geistl. Lebens; 1685-87 erfolgte der Bau der neuen Klosterkirche. 1693 erwarb F. vom Konstanzer Bischof die Herrschaft Tannegg und schuf mit den im 15. Jh. erworbenen Vogteien sowie den Herrschaften Lommis (1599), Spiegelberg (1629) und Wildern (1683) ein geschlossenes Territorium. Die 1704-18 errichtete Iddakapelle ist ein Juwel barocker Baukunst. Abt Nikolaus Degen liess 1753-61 den Psallierchor der Kirche und die grosszügigen barocken Konventflügel im Osten und Süden des Gevierts erbauen; im Westen blieben wegen Geldmangels die Bauten von 1577 und 1635 bestehen. Die franz. Revolution brachte den Verlust der weltl. Herrschaft. Abt Augustin Bloch und sein Konvent wussten sich dem Umbruch klug anzupassen, indem sie ein gutes Verhältnis zum neuen Kt. Thurgau suchten. Der radikal-liberalen Staatsumwälzung im Thurgau folgte 1836 das Klostergesetz, mit welchem die staatl. Verwaltung des Klosters begann. 1848 hob der thurg. Gr. Rat F. mit sieben andern Klöstern im Kantonsgebiet auf.

1852-79 dienten die Klostergebäude als Fabrik (Jacquardweberei) und internat. Handelsschule. 1879 kaufte der Verein St. Iddazell Kloster und Liegenschaften und gründete darin die Waisenanstalt St. Iddazell, die sich in der Folge zum Kinder- und Schülerheim entwickelte. Nach dem Bau des Sonderschulheims Chilberg 1974-76 wurden die Kinder aus den Konventgebäuden ausgesiedelt. Im Ökonomietrakt wird die Realschule St. Iddazell mit Internat weitergeführt. 1977 erfolgte die rechtl. Widererrichtung des Klosters mit sechs Professen von Engelberg. 1982 wurde das Bildungshaus im Ost- und Südflügel der Konventgebäude eröffnet. Neben der kirchl.-religiösen Bildungsarbeit steht das Haus auch für Gastkurse weiterer Kreise offen. Der kleine Konvent betätigt sich in Pfarreiseelsorge, Katechese, Schule, Bildungsarbeit und in der Klosterschreinerei.


Literatur
– B. Schildknecht, «F., eine wiedererstandene benediktin. Stätte», in Studien und Mitt. zur Gesch. des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige 89, 1978, 631-677
HS III/1, 672-710

Autorin/Autor: Benno Schildknecht