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No 15

Favre, Louis

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geboren 28.1.1826 Chêne-Thônex,gestorben 19.7.1879 Göschenen, ref., von Genf. Sohn des Claude, Zimmermeisters, und der Péronne geb. Chevalier. ∞ 1849 Caroline Eugénie Rondeau. Nachdem F. 1845 die Werkstatt seines Vaters verlassen hatte, wurde er im März 1846 als Zimmermannsgeselle in Neuilly-sur-Marne, in der Nähe von Paris, aufgenommen. Er belegte Architekturkurse und bildete sich autodidaktisch zum Ingenieur aus. Zusammen mit dem Eisenbahningenieur Jean-Daniel Colladon führte er dann versch. Projekte aus: 1846-51 Arbeiten für die Gesellschaft Paris-Lyon in Charenton, 1852-53 solche an der Linie Montbart-Dijon, 1854 den Bahnhof Vaise in Lyon, 1855 die Augné-Linie (Jura) mit Tunnel im Mergel, 1856-58 die Verlängerung des Crédo-Tunnels (Ain) an der Linie Lyon-Genf und 1858-60 bei den Tunnels von Grandvaux und La Cornallaz (Chexbres) an der Linie Lausanne-Freiburg. Nachdem er schon den Steinbruch von Seyssel (Ain) erworben hatte, kaufte F. 1863 dem Baron Henri du Bord auch denjenigen von Saint-Paul-Trois-Châteaux (Drôme) ab und entwickelte zusammen mit dem Baron deren mechan. Abbau. 1878 veräusserte er die Steinbrüche an die in Lyon ansässige Société des carrières du Midi. 1863-65 liess er für Henri du Bord das Hôtel de la Paix in Genf erstellen, wo er 1865 das Landgut Le Plongeon, und arbeitete in Frankreich an der Linie Chagny-Nevers, am Creuzot-Tunnel und an dem Aquädukt, mit dem Wasser aus dem Fluss Vanne nach Paris geleitet wurde. Den 1871 ausgeschriebenen Wettbewerb für den Gottharddurchstich gewann F. mit dem Versprechen, diesen in acht Jahren zu realisieren. Die Arbeiten begannen im Süden am 13. Sept. und im Norden am 24. Okt. 1872. Beim Bau stellten sich aber infolge der Bodenbeschaffenheit unvorhergesehene techn. Probleme ein, die mit den von den Genfer Ingenieuren erfundenen Bohrsystemen nicht überwunden werden konnten. Bedroht von den drakon. Bedingungen seines Vertrages, kämpfte F. mit finanziellen Problemen. Er starb gut sieben Monate vor dem Durchstich auf der Baustelle. Der Tunnel wurde erst am 1.1.1882 eröffnet. Die Gotthardbahn-Gesellschaft nahm die Verspätung zum Anlass, F.s Erben gerichtlich zu belangen.


Archive
– BPUG, Fonds Colladon
– AEG, Notaire Théodore Louis Antoine Audéoud 1880-1881
Literatur
Louis F. Deux écrits, hg. von B. Lescaze, 1979
– K. Kuoni Der Bau des Gotthard-Eisenbahntunnels in wirtschaftl., polit. und sozialer Hinsicht, 1996

Autorin/Autor: Catherine Courtiau / CN