25/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Oberstammheim

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Die Weinländer Gem. an der Grenze zum Kt. Thurgau liegt am Südfuss des Stammerbergs und umfasst nebst O. einen Teil von Wilen bei Neunforn, der 1853-86 mit seinem Thurgauer Ortsteil eine Zivilgemeinde bildete. 761 Stamhaim, 1212 in Stamehein superiori. 1467 44 Haushalte; 1637 359 Einw.; 1663 577; 1695 529; 1746 587; 1850 989; 1900 818; 1950 758; 2000 1'064. Mögliche neolith. Moorrandsiedlungen bei Grund und am Hörnerweg, spätbronzezeitl. Ufersiedlung am Nussbaumersee (Moos), hallstattzeitl. Tumulus mit Grab eines Angehörigen der Oberschicht. Die wichtigsten Grundherren in O. waren die Klöster St. Gallen und Rheinau. 1464-1583 gehörte O. zur Zürcher Obervogtei Stammheim, 1584-1798 zu derjenigen von Steinegg-Stammheim. Im SpätMA bildeten O. und Unterstammheim eine gemeinsame Gem., die 1652 durch einen Beschluss des Zürcher Rats geteilt wurde. Kirchlich gehört der Ortsteil Wilen seit dem MA zu Neunforn, O. zu Unterstammheim. Die rom. Galluskapelle in O. geht auf das 9. Jh. zurück, wurde um 1300 erweitert und mit einem hochgot. Bilderzyklus ausgeschmückt sowie u.a. 1695, 1706 und 1966-68 umgebaut. Die zu Beginn des 16. Jh. erwähnte Wallfahrtskapelle St. Anna wurde in der Reformation aufgegeben. 1684 errichtete der Amtmann der Fürstabtei St. Gallen, der Zürcher Bürger Johannes Wehrli, in O. seinen herrschaftl. Gutsbetrieb, der 1777-79 zum Gasthof Hirschen mit angegliederter Trotte umgebaut wurde. 1826 eröffnete der Gasthof zum Schwert ein Heilbad. 1919-27 schloss die erste Gesamtmelioration des Stammertals als Pilotprojekt die Aussiedlung von Landwirtschaftsbetrieben mit ein. Die seit dem SpätMA bedeutende Rebfläche verminderte sich 1801-1930 von 79 auf 5 ha. 1991 wurden wieder 19 ha bewirtschaftet. In der Landwirtschaft ist der Hopfen- (seit 1934) und Tabakanbau von einer gewissen Bedeutung. 2000 pendelten 345 Personen oder 62% der Erwerbstätigen weg. 2005 stellte der 1. Sektor noch knapp 27%, der 3. 58% der insgesamt 366 Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– A. Farner, Gesch. der Kirchgem. Stammheim und Umgebung, 1911
– W. Bachmann, Der Einfluss von Bodenverbesserungen auf die wirtschaftl. Struktur eines Gebietes, 1949
– I. Hermann, Zürcher Weinland, Unterland und Limmattal, 1997, 367-371, 396-398

Autorin/Autor: Martin Illi