07/06/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Bonstetten (Gemeinde)

Polit. Gem. ZH, Bez. Affoltern. Haufendorf und Einzelhöfe am Rand eines schwach ausgebildeten Talkessels. 1120 Buonstetin (unsicher), 1184 Bowensteden. 1635 495 Einw.; 1712 612; 1850 887; 1900 691; 1920 649; 1950 888; 1960 1'180; 2000 3'893.

Im Gibel westl. von B. finden sich drei Grabhügel mit Körper- und Brandbestattungen aus der Spätbronze- und Hallstattzeit (hoch- oder spätma. Nachbestattung) sowie ein röm. Wohngebäude. 1989 wurde die kleine Burganlage am Dorfrand archäologisch untersucht, evtl. Sitz der 1217 erstmals erw. Herren von B. Das Hochgericht gelangte 1415 von Habsburg an Zürich. Im 15. Jh. waren Frevelgericht und Vogtei in den Händen der Zürcher Fam. Zoller und Holzhalb vereinigt. Um 1539 erwarb die Stadt Zürich diese Rechte. Mit Stallikon und Wettswil am Albis bildete B. eine Obervogtei. 1798 wurde B. in den helvet. Distrikt Mettmenstetten einverleibt. Mitte des 14. Jh. erscheint in den Quellen eine Kapelle. Ein Neubau, zusammen mit einem Pfrundspeicher, ersetzte sie 1484. Gleichzeitig erklärte der Zürcher Rat B. zur Pfarrei und legte Hand auf die Kollatur. Seit 1980 hat B. auch wieder eine kath. Pfarrei. Eine Dorfoffnung des späten 15. Jh. beschreibt u.a. Grenzen und Flurwege sowie die Strafen für zivilrechtl. Vergehen. Einzugsbriefe datieren von 1558, 1611 und 1661. 1783 brannten im Oberdorf B. 23 Häuser nieder. Für den Wiederaufbau stellte eine zürcher. Regierungskommission strenge Bauvorschriften auf. 1827 entstand die Strassenverbindung über die Waldegg nach Zürich. 1836 arbeiteten im ansonsten bäuerlich-handwerklich geprägten B. viele Seidenwinderinnen; 1873 beherbergte das Schulhaus eine Ferggerei. Der 1861 gegr. Dorfverein schloss sich 1889 dem Volg an. Seit 1864 ist B. an das Bahnnetz angeschlossen; den Bahnhof teilt B. mit Wettswil. Die Entwässerung des Torfmooses 1867 brachte eine massive Kostenüberschreitung. Neben dem alten Dorfkern bildet das Stations- und Schachenquartier einen zweiten Siedlungsschwerpunkt. B. ist mit (1990) 79% Wegpendlern, 9% im Ort Erwerbstätigen im 1., 22% im 2. und 69% im 3. Sektor im Wandel zur periurbanen Gem. der Agglomeration Zürich begriffen.


Quellen
SSRQ ZH I/2, 101-120
Literatur
– W. Glättli, 100 Jahre Gemeindeverein B., 1964
Knonaueramt, 1987

Autorin/Autor: Martin Illi