06/01/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Saint-Brais

Polit. Gem. JU, Bez. Freiberge. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von der Hochebene der Freiberge bis zum Doubs und umfasst mehrere Weiler sowie abseits liegende Einzelhöfe. Das Dorf liegt an der Strasse Glovelier-Saignelégier. 1275 Sem Bris, dt. früher St. Brix. 1818 307 Einw.; 1850 463; 1870 562; 1900 394; 1950 343; 2000 212.

1 - Urgeschichte

Drei zwischen 950 und 1000 m liegende Höhlen an der Schnittstelle der Hochebene der Freiberge und dem Westende des Delsbergertals wurden ab 1935 bis in die 1960er Jahre von Frédéric-Edouard Koby erforscht und durch einmalige Funde bekannt. 1955 stiess Koby in der Höhle 2 auf den linken oberen Schneidezahn eines Menschen aus dem Moustérien. Somit wurde S. zum ersten Ort der Schweiz, an dem Reste eines Neandertalers (ca. 40'000-35'000 v.Chr.) gefunden worden waren. Am selben Ort befanden sich auch viele Tierknochen aus dem Pleistozän, insbesondere von Höhlenbären. Die Höhle 1 offenbarte einige behauene Feuersteine und Knochenwerkzeuge aus dem Ende der Eiszeit (um 10'000 v.Chr.) und dem Neolithikum. In allen drei Höhlen legte man auch eine grosse Anzahl von Keramikobjekten aus dem Ende der mittleren und dem Anfang der späten Bronzezeit (1450-1200 v.Chr.) frei. Ob sich die versch. Gruppen eher zufällig in den Höhlen aufhielten oder ob die Menschen aus dem Tal von Delsberg sie bei ihren Aufenthalten in den Bergen regelmässig als Unterkunft benutzten, bleibt offen, da es keine genaueren Untersuchungen der Schichten gibt.

Autorin/Autor: François Schifferdecker / BE

2 - Gemeinde

1139 ist S. unter den Gütern des Kapitels von Saint-Ursanne bezeugt, 1275 wird es als vom Dorf Planey abhängig erwähnt. Planey soll 1637 von den franz. Soldaten niedergebrannt worden sein. Es befand sich im Osten des heutigen Dorfs, das um die Pfarrkirche Saint-Brice entstand. 1656 und 1765 wurde die Kirche durch einen Neubau ersetzt sowie 1965 restauriert und mit einem Westwerk aus Quadersteinen versehen. Auch Montfavergier gehört zur Pfarrei. S. war Teil des Priorats von Saint-Ursanne (Bistum Basel). Unter franz. Herrschaft gehörte die Gem. 1793-1813 zum Dep. Mont-Terrible bzw. Haut-Rhin und 1815-1978 zum Kt. Bern. Seit der Mitte des 19. Jh. ist S. eine gemischte Gem., bestehend aus den zwei selbstständig verwalteten Fraktionen S. und Les Métairies. Der Weiher von Bollement lieferte die Wasserreserven für den Betrieb einer Mühle und einer Sägerei, bevor er unter Naturschutz gestellt wurde. 2005 bot die Landwirtschaft immer noch 73% der Arbeitsplätze. 2009 wurden in S. die ersten zwei Windräder des Kt. Jura installiert.

Autorin/Autor: François Kohler / BE

Quellen und Literatur

Literatur
– F. Chèvre, Histoire de St-Ursanne, du chapitre, de la ville et de la prévôté de ce nom, 1887, 849-861, (Neudr. 1981)
– F.-E. Koby, «Une nouvelle station préhistorique (paléolithique, néolithique, âge du bronze): les cavernes de S. (Jura bernois)», in Verh. der Naturforschenden Ges. in Basel 49, 1937-1938, 138-196
– F.-E. Koby, «Une incisive néandertalienne trouvée en Suisse», in Verh. der Naturforschenden Ges. in Basel 67, 1956, 1-15
– G. Jeanbourquin, Un village disparu: Planey: glanures historiques; et, Notices sur Saint-Braix, 1987
– N. Pousaz et al., Sites protohistoriques à Courfaivre et âge du Bronze dans le Jura (Suisse), 1994, 101-185