Saignelégier

Polit. Gem. JU, Hauptort des Bez. Freiberge. S., zu dem mehrere Weiler und abgelegene Höfe gehörten, fusionierte 2009 mit Les Pommerats und Goumois. Die neue Gem. S. erstreckt sich vom Ufer des Doubs bis zum Etang de la Gruère. Das auf dem Hochplateau der Freiberge gelegene Dorf S. entwickelte sich am Kreuzungspunkt der Strassen von Delsberg, Tramelan, La Chaux-de-Fonds und Frankreich (über Goumois). S. 1294 Saignelegier, dt. früher Sankt Leodegar. 1770 507 Einw.; 1818 536; 1850 754; 1870 1'012; 1900 1'410; 1950 1'489; 2000 2'145. Das bereits im MA zum Bistum Basel gehörige S. war ab 1691 Sitz des Vogts der Freiberge und von Saint-Ursanne. Das Ende des 17. Jh. errichtete Schloss des fürstbischöfl. Vogts wurde später zum Sitz der Präfektur der Freiberge. Unter franz. Herrschaft 1793-1813 war S. Kantonshauptort des Dep. Mont-Terrible, dann des Dep. Haut-Rhin. 1815 kam der Ort an den Kt. Bern, wo er bis zur Gründung des Kt. Jura 1978 verblieb. Vom 15. Jh. an gewann S. an Bedeutung. Eine Kapelle wurde errichtet, ab 1428 fanden Jahrmärkte statt und der Pfarrer von Montfaucon, der Mutterpfarrei der Freiberge, residierte hier. 1629 wurde S. zur Pfarrei erhoben, zu der auch Le Bémont und Muriaux gehörten. Die ref. Kirche wurde 1913 eingeweiht und die neubarocke Kirche Notre-Dame-de-l'Assomption 1927-28 durch einen Neubau ersetzt. Seit Mitte des 19. Jh. ist S. eine gemischte Gemeinde. Mit dem Aufkommen der Uhrmacherei im 19. Jh. und der Eröffnung der Bahnlinien 1892 nach La Chaux-de-Fonds und 1904 nach Glovelier siedelten sich Industrie und handwerkl. Betriebe an. 2007 wurde die Industriezone vergrössert. Das 1851 gegr. und 1864 sowie 1881 umgebaute Spital Saint-Joseph ist seit 2003 Teil des Verbunds Hôpital du Jura, dem noch drei weitere Krankenhäuser angehören. Seit 1878 verfügt die Gem. über eine Sekundarschule. Die Druckerei der Regionalzeitung "Le Franc-Montagnard" wurde 1898 ins Leben gerufen. 1979 siedelten sich zwei kant. Ämter an, ausserdem ist S. eines der tourist. Zentren des Kantons und Verwaltungssitz von Jura Tourisme. Hauptsächlich der seit 1897 stattfindende Marché-Concours national de chevaux zieht jährlich Zehntausende von Zuschauern an, aber auch das seit 1985 bestehende Freizeitzentrum der Freiberge, die Naturschutzgebiete des Etang de la Gruère und des Etang des Royes sowie das 1992 eröffnete Naturschutzzentrum Les Cerlatez sind Publikumsmagneten. 2005 stellte der 2. Sektor 35% und der 3. Sektor 61% der Arbeitsplätze. 61% der Erwerbstätigen sind Zupendler.


Literatur
– C. Rebetez, S. à l'heure du Kulturkampf (1864-1879), Liz. Neuenburg, 1980
– P. Simon, S. au temps des princes-évêques ou "La vie quotidienne dans une communauté rurale des Franches-Montagnes à la fin du dix-huitième siècle", 1986
– J.-P. Prongué, La Franche Montagne de Muriaux à la fin du Moyen Age, 2000
– J.-L. Wermeille, Société et parenté à S. au 19e siècle, Liz. Freiburg, 2000
– C. Julen, Le Marché-Concours national de S., Liz. Freiburg, 2005

Autorin/Autor: François Kohler / BE