• <b>Andreas Dietsch</b><br>Titelseite des Werks in der 2. Auflage von 1844 (Schweizerische Nationalbibliothek).

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Dietsch, Andreas

geboren 13.10.1807 Mülhausen, gestorben 10.11.1845 Neu-Helvetia (Missouri), vermutlich evang., Franzose. Sohn des André, Rechtsagenten. ∞ 1836 Susanna Magdalena Hagnauer, Tochter des Gabriel, Bürstenmachers. Lehre als Bürstenbinder. Tätigkeit als Bürstenmacher 1836-38 in Zofingen, ab 1838 in Aarau. Bekanntschaften mit dem Sozialreformer Rudolf Sutermeister, dem sozialistisch denkenden Fabrikanten Gustav Siegfried sowie Wilhelm Weitling, dem ersten dt. Theoretiker des Kommunismus. 1841 veröffentlichte D. hochdt. Gedichte mit Dialekteinlagen ("Der Aarauer Bachfischet"), 1841-43 erschienen über 50 gesellschaftskritische, meist in Aargauer Mundart gehaltene Beiträge im Wochenblatt "Das Posthörnchen". 1843 publizierte er seine sozialpolit. Utopie "Das tausendjährige Reich", deren Verwirklichung er in der Schrift "Die Gründung von Neu-Helvetia" (1843) erläuterte. Seine Ideen waren weniger politischer als vielmehr humanitärer und prakt. Art, indem er v.a. den verfallenden Handwerkerstand mit Hilfe eines idealen kommunist. Siedlungssystems in Verbindung mit der Landwirtschaft wiederherstellen wollte. D. begründete die Gesellschaft zur Auswanderung nach den USA, die grossen Zulauf hatte, und führte 1844 die erste Auswanderergruppe an (“Tagebuch und Reisenotizen der Auswanderer-Gesellschaft zur Gründung von Neu-Helvetia”, 1845). Die geplante Kolonie scheiterte aus Unerfahrenheit, Untüchtigkeit und Eigensinn der Mitglieder und nicht zuletzt wegen D.s frühem Tod.

<b>Andreas Dietsch</b><br>Titelseite des Werks in der 2. Auflage von 1844 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>
Titelseite des Werks in der 2. Auflage von 1844 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Literatur
BLAG, 147-150
– N. Halder, Die grossartige Auswanderung des Andreas D. und seiner Ges. nach Amerika, 1978

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach