06/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Develier

Polit. Gem. JU, Bez. Delsberg. Das Dorf liegt an der Strasse Delsberg-Pruntrut, die über den Pass Les Rangiers führt. An der Strasse nach Lucelle befindet sich der Weiler D.-Dessus. 1139 Divilier. 1818 384 Einw.; 1850 590; 1900 632; 1910 549; 1950 647; 2000 1'253. Überreste einer röm. Villa. Der bedeutende Weiler, der sich am Bach La Pran befand, bestand aus sechs Gehöften (zwischen 550 und 750 bewohnt) mit mehreren Schmieden, in denen das einheim. Eisen verarbeitet wurde. Aus merowing. Zeit stammt ein Gräberfeld in der Nähe (39 Gräber, die 1840 ausgegraben wurden) und monolith. Sarkophage im Untergrund der Kirche Saint-Imier, die sich auf einem Felskopf befindet. 1139 besass das Kapitel von Saint-Ursanne Güter in D. Bis 1792 war D. eines der dreizehn freien Dörfer des Delsberger Beckens, einer Herrschaft des Fürstbistums Basel. 1793-1800 gehörte D. zum franz. Dep. Mont-Terrible, 1800-13 zu jenem von Haut-Rhin, 1812-1978 war es Teil des bern. Oberamts bzw. Amtsbez. Delsberg. 1853-67 und seit 1882 war bzw. ist D. als Commune mixte (Gemischte Gemeinde) organisiert. Die Pfarrei, deren erster Pfarrer 1239 erwähnt wird, wurde 1874 an jene von Courfaivre angeschlossen, ist aber seit 1907 wieder selbstständig. Die Kirche Saint-Imier brannte 1637 ab, wurde 1751 wieder aufgebaut und 1958 restauriert. Die 1838 erbaute Kapelle Sainte-Philomène in D.-Dessus ist seit 2000 ein ökumen. Gotteshaus für die christl. Gemeinschaften der Umgebung. Seit 1980 besteht in D. das Karmeliterinnenkloster Notre-Dame-de-la-Solitude. In der 1. Hälfte des 19. Jh. wurde Eisen abgebaut. Bis Mitte des 20. Jh. war die Gem. hauptsächlich von der Landwirtschaft geprägt. Seit den 1960er Jahren entwickelt sich der industrielle Sektor (Dreherei, Fertigstellung von Uhrgehäusen, vorfabrizierte Elemente, Baumaterialien, Möbel, Garagen). 2000 arbeiteten knapp zwei Drittel der werktätigen Bevölkerung ausserhalb der Gem. Dank der Nähe von Delsberg nahm die Bevölkerung zu, was den Bau neuer Quartiere zur Folge hatte.


Literatur
– L. Vautrey Notices historiques sur les villes et les villages du Jura bernois 5, 1881, 257-290, (Neudr. 1979)
– A. Daucourt Dictionnaire historique des paroisses de l'ancien évêché de Bâle 2, 1899, 24-31, (Neudr. 1980)
– R. Fleury, «Les mines de fer de D.», in L'hôtâ, Nr. 11, 1987, 22-37
– «Ma. Siedlungen im Jura, D.-Courtételle», in Helvetia Archaeologica 118/119, 1999

Autorin/Autor: François Kohler / AA