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No 7

Visconti, Gian Galeazzo

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geboren 16.10.1351 Mailand,gestorben 3.9.1402 Marignano. Sohn des Galeazzo II. und der Bianca von Savoyen. Neffe des Amadeus VI. von Savoyen. Cousin und Schwager des Mastino ( -> 9). ∞ 1) 1361 Isabelle von Valois, Tochter des franz. Königs Johann II., 2) 1380 Caterina geb. V., seine Cousine, Tochter des Bernabò. 1385 wurde V. nach einem Staatsstreich gegen Bernabò zum Alleinherrscher über Mailand und erhielt 1395 von Kg. Wenzel den erbl. Herzogstitel. Unter seiner aggressiven Expansionspolitik erreichte das Herzogtum Mailand seine grösste territoriale Ausdehnung. Im Bereich der Alpen umfasste es den für die Grenzverteidigung und Kontrolle der Handelsstrassen wichtigen Streifen zwischen dem Val d'Ossola und dem oberen Veltlin. Auch die drei Ambrosian. Täler wurden ins Herzogtum einverleibt, obwohl die Herrschaft des Mailänder Domkapitels formell fortbestand. Von seinem Vater erbte V. die Hoheitsrechte über Blenio und nach dem Tode von Bernabòs Frau Regina della Scala 1384 sowie Bernabòs 1385 erlangte er die Herrschaftsrechte über die Leventina. V. beeinflusste die Rechts- und Verfassungsordnung, indem er 1391 die Satzungen von Locarno und 1392 diejenigen von Bellinzona revidierte und Dekrete erliess, die jedoch verschiedentlich auf örtl. Bedürfnisse Rücksicht nahmen. Nach V.s überraschendem Tod zerfiel der innere Zusammenhalt im Staat und dieser verlor vorübergehend seine nördl. Gebiete: Die Bewohner des Bleniotals lehnten sich gegen den Lehensträger Taddeo Pepoli auf, Albert von Sax eroberte Bellinzona und Blenio, während Uri und Obwalden die Leventina ihrer Herrschaft unterwarfen.


Literatur
DBI 54, 383-391
– G. Vismara et al., Ticino medievale, 1990.

Autorin/Autor: Paolo Ostinelli / CHM