Vandoeuvres

Polit. Gem. GE, am linken Seeufer gelegen, neben V. die Siedlungen Chougny, Crête, Miolan und Pressy umfassend. 1225 Vandovre. 1850 526 Einw.; 1900 542; 1950 1'073; 2000 2'333.

Funde aus der älteren Eisenzeit (650-450 v.Chr.) und der Spätlatènezeit (120-100/50 v.Chr.). An einen röm. Gutshof, der vom 1. bis 4. Jh. bewohnt war, wurde eine dem hl. Jakob geweihte Grabkapelle aus dem 5. Jh. angebaut, die älteste bekannte christl. Kultstätte auf der Genfer Landschaft. Im 13. Jh. bildete V. eine Pfarrei (erw. 1280), deren Gebiet grösstenteils dem Kapitel Genf und dem Priorat Saint-Victor gehörte, die ihre Herrschaft über V. ab 1295 mit dem Gf. Amadeus II. von Genf teilten. Dessen Rechte fielen am Anfang des 15. Jh. an das Haus Savoyen. 1536, nach der Besetzung durch Truppen der Stadt Genf, ging V. zur Reformation über. Genf musste seine Hoheitsrechte jedoch 1538-64 mit Bern, danach mit dem kath. Savoyen teilen. Erst der Turiner Vertrag von 1754, der sämtl. Hoheitsrechte über V. Genf zusprach, beendete die zahlreichen rechtl. Auseinandersetzungen. Im 17. und 18. Jh. errichteten die wohlhabenden Genfer Fam. Butini, Mallet und Revilliod in V. Landsitze. Mit dem Anschluss der Stadt Genf an Frankreich 1798 wurde V. zur Gemeinde. Bis 1952 war V. rein landwirtschaftlich geprägt, dann wurde ein Drittel der Fläche als Einfamilienhauszone ausgeschieden. In der Folge entwickelte sich V. zur Wohngemeinde, doch werden immer noch 65% der Fläche von der Landwirtschaft genutzt.


Literatur
– G. Vaucher, Histoire de V., 1956
– C. Santschi et al., Au temps du Pacte: V., Genève et le comté aux XIIIe et XIVe siècles, 1991
As. 32, 2009, 2, 25-53

Autorin/Autor: Hansjörg Roth / CBA