11/01/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken

Satigny

Polit. Gem. GE, bestehend aus dem Dorf S. sowie Bourdigny, Choully, Peissy, Peney, Château des Bois und Moulin-Fabry. 912 (Abschrift aus dem 12. Jh.) villam Satiniatis, um 1128 de Satiniaco, 1280 Satignie. 1481 29 Feuerstätten (ohne Bourdigny, Peissy und Peney); 1818 rund 900 Einw.; 1850 1'044; 1900 1'343; 1950 1'373; 2000 2'785. Am Hang von Choully im Gebiet Crédery wurden Siedlungsspuren aus dem späten Neolithikum gefunden (Feuerstellen, Keramik, Silex). Funde aus der Römerzeit belegen wenigstens zwei villae.

Im MA unterstand die Gegend von S., die auch Terre de Mortier genannt wurde, den Herren von Gex und zunehmend dem Bf. von Genf, bis sie schliesslich im bischöfl. Mandement Peney aufging. Nach den Wirren der Reformationszeit, die dem bischöfl. Regime ein Ende setzten, gelangte S. 1536 mit dem Mandement an die Herrschaft Genf, bei der es fortan verblieb. Archäolog. Grabungen förderten Spuren erster Sakralbauten aus dem 8. Jh. zu Tage. Wohl im frühen 10. Jh. wurde in S. ein von der Benediktinerabtei Ainay (Lyon) abhängiges Priorat gegründet. Um 1133 wurde das Kloster in ein Augustinerpriorat umgewandelt, das mehr und mehr unter den Einfluss des Genfer Domkapitels geriet und diesem schliesslich 1381 inkorporiert wurde. Das Priorat besass versch. Rechte über die umliegenden Dörfer. Seine ab 1328 bezeugte fünfrädrige Mühle Les Bougieres, deren Gebäude bis heute erhalten sind, war ab dem 18. Jh. als Moulin-Fabry bekannt. Das Prioriat wurde 1512 offiziell aufgehoben, 1536 dann auch faktisch. Nach der Einführung der Reformation wurde 1538 die ref. Kirchgemeinde S. gegründet, zu der die Pfarreien S., Bourdigny, Peissy und Peney zusammengelegt wurden; die Prioratskirche Saint-Pierre-aux-Liens wurde zur Pfarrkirche. Der Grundriss und der Chor der got. Kirche, die im 13. Jh. eine dreischiffige Vorgängerin aus dem 12. Jh. ersetzt hatte, wurden beim Neubau des Hauptschiffs mit klass. Fassade und Glockenturm von 1726-28 beibehalten; Restaurationen erfolgten 1830, 1895 und 1977. Die kath. Kirche St. Peter und Paul wurde 1903 erstellt.

Im 17. und 18. Jh. erwarben reiche Genfer Fam. Ländereien in S., auf denen sie Herrensitze errichteten. Die 1798 gegr. Gemeinde übernahm die Grenzen der Kirchgemeinde von 1538. Ab dem 19. Jh. beherbergte das Dorf S. aufgrund seiner zentralen Lage die Gemeindeeinrichtungen (Schulen, Mairie). Das an der 1858 eröffneten Eisenbahnlinie nach Lyon gelegene Dorf erlebte mit der Ausbeutung der Kiesgruben in Peney einen wirtschaftl. Aufschwung. Die im ganzen 19. Jh. betriebene Milchwirtschaft erfuhr mit dem Versuch, einen Stall kollektiv zu nutzen, zwischen 1912-35 einen Höhepunkt, nach dem ein Rückgang einsetzte. Anfang des 21. Jh. ist die Gem. immer noch teilweise von Landwirtschaft und Weinbau geprägt; sie ist der grösste Winzerort der Schweiz und verfügt über eine Rebbaugenossenschaft. Daneben ist S. aber auch Wohn- und Industriegemeinde. Die Gewerbezonen Meyrin-S. und Bois-de-Bay wurden ab den 1970er Jahren angelegt; 2005 stellte der 2. Sektor 55% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– «Chronique des découvertes archéologiques dans le canton de Genève», in Genava, NF 17, 1969, 6-9; 24, 1976, 270 f.; 26, 1978, 95 f.
HS III/1, 1487-1489; IV/2, 417-434
– R. Feuardent, A. Pozzi, S. de jadis à naguère, 1998
S.-Crédery (Genève): rapport de fouille, hg. von M. Besse, 2007

Autorin/Autor: Isabelle Brunier / GL