Ottonen

Nach dem Ahnherrn Gf. Liudolf († 866) auch Liudolfinger genannt, stieg das sächs. Adelsgeschlecht 919 mit Heinrich I., vorher Hzg. von Sachsen, zu königl. Würde auf. Die Bezeichnung O. erhielt es dann nach dem Leitnamen Otto seiner führenden königl. Vertreter. Mit dem Tod von Ks. Heinrich II. 1024 erlosch das Haus im Mannesstamm. Unter der Herrschaft der O. kam der Prozess der Bildung des Heiligen Römischen Reichs weitgehend zum Abschluss. Sachsen fand den kulturellen Anschluss an die übrigen Reichsteile. In Schwaben waren die Königsherrschaft und der Einfluss der O. präsent, das Herzogtum befand sich zeitweilig direkt in otton. Hand (Hzg. Liudolf 950-953, Hzg. Otto I. 973-982). Im Rahmen der otton. Reichspolitik und zur Sicherung der Zugänge zu den Bündner Pässen wurden die Bischofssitze Chur und Konstanz sowie die Klöster St. Gallen, Säckingen und Einsiedeln (947 Reichskloster) stark gefördert. Über das Königreich Burgund besassen die O. seit Otto I. (dem Grossen) eine faktische Oberhoheit und übten indirekt grossen Einfluss aus, v.a. über die aus dem burgund. Königshaus stammende Kaiserin Adelheid, deren Klosterstiftungen (Payerne, Genf) auch den Zugang zum Gr. St. Bernhard sicherten, nicht zuletzt zur Abwehr westfränk. Interessen in Italien. Adelheid und die anderen Frauen des otton. Hauses hatten am Aufschwung von Wissenschaft und Kunst massgebl. Anteil. So wurde durch Theophanu, die Gemahlin Ottos II., dem Abendland der Zugang zur byzant. Kultur eröffnet.


Literatur
– H. Keller, Kloster Einsiedeln im otton. Schwaben, 1964
HbSG 1, 136-146
– P. Corbet, Les saints ottoniens, 1986
LexMA 6, 1588-1589
– H. Keller, Otton. Königsherrschaft, 2002
– A. Zettler, Gesch. des Herzogtums Schwaben, 2003
– G. Althoff, Die O., 22005

Autorin/Autor: Ernst Tremp