18/02/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Presinge

Polit. Gem. GE, die das gleichnamige Dorf und die Weiler Cara und La Louvière umfasst. Nach 1000 in Presiago, 1180 villa que appellatur Presingium. 1412 ca. 160 Einw.; 1850 592 (mit Puplinge); 1900 311; 1950 268; 2000 614. Bemalte Mauerreste und Mosaik eines röm. Gutshofs vom Ende des 1. oder Anfang des 2. Jh. in Cara (an einer kelt., später röm. Wegkreuzung gelegen). Im MA gehörte P. den Gf. von Genf sowie der Fam. de Grailly, den Grundherren von Ville-la-Grand. Ende des 14. Jh. erbten die Gf. von Savoyen alle weltl. Hoheitsrechte über P. 1536 besetzte Bern die Region Gaillard und gab diese 1567 dem savoy. Herzog zurück. 1792 wurde P. französisch und kam mit Puplinge zur neu geschaffenen Gem. Ville-la-Grand. P. und Puplinge wurden 1816 dem Kt. Genf abgetreten und bildeten bis 1851 eine einzige Gemeinde. Konflikte zwischen beiden Dörfern führten 1851 mit Billigung des Staatsrats zur Teilung der Gemeinde. 1275 gehörte ein augustin. Priorat zur Abtei Abondance. Die Kirche Saint-Félix, die 1304 erstmals erwähnt wird, aber auf rom. Fundamenten steht, gehörte ab 1420 zum Genfer Domkapitel Saint-Pierre. Sie wurde mehrmals vergrössert und restauriert, zuletzt 1970. Die Gem. wurde 1536 reformiert, kehrte aber nach 1598 wieder zum kath. Glauben zurück. 1544 (Abschied von Basel) erhielt Genf vom Domkapitel grundherrl. Rechte in P., die 1754 an Savoyen kamen. Dies ermöglichte vielen Genfer Bürgern, grosse landwirtschaftl. Güter in P. zu erwerben. Die Gem. wurde von der Verstädterung kaum erfasst, blieb von Grossüberbauungen verschont und bewahrte ihren ländl. Charakter.


Literatur
– P. Bertrand, P., 1978
– A. Brulhart, E. Deuber-Pauli, Ville et canton de Genève, 1985 (21993)

Autorin/Autor: Fabia Christen / SK