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Pregny-Chambésy

Polit. Gem. GE, 3 km von der Stadt Genf entfernt am rechten Genferseeufer gelegen, durchquert von der alten Strasse Genf-Nyon. Die Gem. umfasste anfänglich das Dorf Pregny, die Weiler Chambésy-Dessus und Chembésy-Dessous sowie das Viertel Roilbot und nannte sich bis 1960 Pregny. Später kamen neue Viertel hinzu. 1113 Priniacum, 1277 Sambesie. Anfang 16. Jh. 12 Feuerstätten; 1850 463 Einw.; 1900 651; 1950 1'093; 2000 3'009. Das Gemeindegebiet ist seit dem Neolithikum besiedelt. P. war ein Lehen der Herren von Gex, das Kapitel Saint-Pierre von Genf besass den Zehnten. Wie das Pays de Gex wechselte P. mehrmals die Herrschaftszugehörigkeit. Es stand ab 1353 unter savoy. Oberherrschaft und wurde 1536 von den Bernern erobert, die es 1567 an Savoyen zurückgaben. 1590 wurde P. von Genf eingenommen, blieb bis 1601 unter dessen Verwaltung und kam dann an Frankreich. 1815 wurde es dem Kt. Genf zugeteilt. Seit 1816 bildet P. eine polit. Gemeinde. Die Kirche Saint-Pétronille wird ab 1481 erwähnt. 1536 schloss sich P. der Reformation an, kehrte aber 1685 zum kath. Glauben zurück. Die heutige Pfarrkirche wurde 1862-63 erbaut. P. war eine jener Gem., in denen der Kulturkampf besonders heftig verlief und deren Gemeindebehörden abgesetzt wurden. Die ref. Kapelle in Chambésy von 1901 gehört zur Kirchgemeinde Le Grand-Saconnex. Das 1966 gegr. orthodoxe Zentrum des ökumen. Patriarchats vereint mehrere Zentralorgane der orthodoxen Kirche. In der Gem. liegen prachtvolle Anwesen wie das Château Rothschild (1858-60), Le Reposoir (1755) und La Fenêtre (1820-22), wovon einige die ständigen Vertretungen bei der UNO beherbergen (Les Ormeaux, 1835-36). Im Château de Penthes, einem Landsitz aus dem 18. Jh., der ein befestigtes Haus aus dem 14. Jh. ersetzte, ist seit 1972 das Auslandschweizer-Museum untergebracht; ein Nebengebäude ist seit 1984 General Guillaume-Henri Dufour gewidmet. Das ehem. Pensionat Thudicum und spätere Hotel Carlton ist seit 1946 Sitz des IKRK. Das landwirtschaftlich geprägte P. wandelte sich in eine Wohngemeinde, in der 2005 der 3. Sektor 89% der Arbeitsplätze stellte.


Literatur
– G. Fatio, P., 2000 (überarbeitet und ergänzt von R. Perrot und P. Heiniger)
– A. Brulhart, E. Deuber-Pauli, Ville et canton de Genève, 1985 (21993)

Autorin/Autor: Dominique Torrione-Vouilloz / SK