Perly-Certoux

Polit. Gem. GE, am linken Rhoneufer gelegen, bestehend aus Perly und Certoux. Um 1124 de Perliaco, 1537 Sartoux. 1850 225 Einw.; 1900 279; 1950 398; 2000 2'782. In der Römerzeit lag P. in der Nähe der Strasse Genf-Lyon. Auf dem Gemeindegebiet fanden sich eine röm. Villa und ein Aquädukt sowie frühma. Plattengräber. Die Lully, die Du Bois und insbesondere die de Ternier, die ein Schloss bei Saint-Julien besassen, teilten sich als Lehnsherren das Gebiet. Die 1536 von Bern eroberte Vogtei Ternier wurde 1567 Savoyen zurückgegeben. Perly und Certoux gehörten bis 1815 zu Saint-Julien-en-Genevois. 1814 war Saint-Julien durch den Vertrag von Paris französisch geworden, aber im folgenden Jahr kam die Gem. Saint-Julien mit ihren Gebieten durch einen neuen Vertrag wieder zum Kt. Genf. Der Vertrag von Turin von 1816 teilte Saint-Julien Sardinien zu, während Perly und Certoux endgültig an den Kt. Genf gelangten. Die beiden Dörfer wurden der Gem. Compesières angegliedert und bekamen erst 1820 unter dem heutigen Namen ihre Autonomie. P. gehörte bis 1820 zur Kirchgem. Saint-Julien, dann zu jener von Confignon. Die 1899-1900 erbaute Chapelle de la Persécution, bekannt durch die Kirchenfenster von Alexandre Cingria, wurde 1975 durch einen Neubau ersetzt. Die Gem. befindet sich in der sumpfigen Ebene der Aire und wurde 1841, 1847 und 1851 überschwemmt. In den 1940er Jahren legte man die Ebene durch Drainagen und zwei künstl. Sammelbecken trocken. Hauptsächl. Erwerbszweig war stets die Landwirtschaft, noch 1975 umfasste die Anbaufläche 80% des Gemeindegebiets. Insbesondere in den 1920er Jahren erfuhr der Gemüseanbau einen grossen Aufschwung. Ab 1960 wurden nahe der Landesgrenze viele Wohnblöcke erstellt und die Infrastruktur musste der schnell wachsenden Bevölkerung angepasst werden. 1978 entstand ein neuer Schulgemeindeverband. P. pflegt nach wie vor ländl. Bräuche, etwa das Mitte Juni stattfindende ursprüngl. Kirchgemeindefest La Vogue oder den Umzug von Le Feuillu.


Literatur
– C. Duval, Ternier et Saint-Julien, 1879 (Neudr. 1977)
– A. Jacquet, Saint-Julien-en-Genevois, 1978

Autorin/Autor: Jean-Marc Membrez / BE