Meyrin

Polit. Gem. GE, am rechten Rhoneufer. M. umfasst das gleichnamige Dorf, die Satellitenstadt, die landwirtschaftlich geprägten Weiler Mategnin und Maisonnex sowie einen Teil des Quartiers Cointrin. 1153 Mairin. 1550 54 Feuerstätten; 1667 ca. 150 Einw.; 1850 597; 1900 856; 1950 2'063; 1970 14'255; 2000 19'548 (davon 44% Ausländer). In einer Grabstätte aus der Latènezeit wurden Schmuckstücke gefunden. Zu Tage traten ausserdem eine vom 1. bis 6. Jh. benutzte Nekropole sowie Reste einer Ziegelei und einer vom 1. bis 3. Jh. betriebenen Töpferei. Im MA gehörte M. zur Herrschaft Gex. Es war zuerst ein Lehen des Gf. von Genf, ab 1355 des Gf. von Savoyen (Vertrag von Paris). Das Priorat Saint-Jean, das Kapitel Saint-Pierre in Genf und das Priorat Satigny besassen Häuser und Güter in M. Vor 1536 erstellten die beiden Fam. M. und Nergaz Festungsbauten (das La Tour genannte Gebäude der Nergaz steht noch heute). Der älteste Teil M.s war von Landhäusern aus dem 14. Jh. geprägt, die am Ende des MA im Besitz wohlhabender Bürger der Stadt Genf waren. Er lag inmitten eines vor der Reformation wichtigen Landwirtschaftsgebiets. 1530 war M. ein Nebenschauplatz der Auseinandersetzungen zwischen den Genfern und den Rittern des Löffelbundes, welche Parteigänger des Hauses Savoyen waren. 1536 wurde M. zusammen mit dem restl. Pays de Gex von den Bernern besetzt, 1567 fiel es zurück an Savoyen, ab 1589 stand es unter Genfer Herrschaft. Im Vertrag von Lyon wurde das Pays de Gex 1601 Frankreich zugesprochen. Abgesehen von einer kurzen österr. Besetzung (Aug. 1813-März 1814), die von Plünderungen und Bränden geprägt war, blieb M. bis 1815 französisch, worauf es endgültig an den Kt. Genf überging.

Im MA bildeten der Weiler Mategnin und M. zwei versch. Pfarreien. Jene von M. gehörte zum Priorat Saint-Jean (1153 erw.). Die Reformation wurde M. 1536 von den Bernern aufgezwungen. Darauf gehörte der Ort zusammen mit Grand-Saconnex, Pregny, Mategnin und Vernier zu einer einzigen Kirchgemeinde. Nachdem das Dorf 1621 unter franz. Herrschaft wieder katholisch geworden war, erhielt es seine ab dem Ende des 15. Jh. erw. Pfarrkirche (Saint-Julien) zurück. Die Reformierten errichteten eine eigene Kirche. Das Nebeneinander der beiden Religionsgemeinschaften hatte einige Zeit Bestand. 1662 wurde die ref. Kirche wie alle übrigen im Pays de Gex zerstört. Viele der verfolgten Reformierten aus M. flüchteten nach Genf. 1839 wurde die Kirche Saint-Julien neu errichtet, 1875 der christkath. Kirche abgetreten und 1901 erneut der röm.-kath. Kirche zugesprochen. Die ref. Kapelle geht auf das Jahr 1911 zurück. 1976 wurde ein ökumen. Pfarreizentrum gebaut.

Die 1790 konstituierte polit. Gemeinde übernahm die Strukturen der vorher bestehenden Dorfgemeinschaft. Bis zur Mitte des 20. Jh. blieb der Marktort M. von der Landwirtschaft dominiert. Vom 18. Jh. an spielte die Uhrmacherei eine bescheidene Rolle. Die wirtschaftl. Entwicklung der Gem. wurde in erster Linie durch die Strassen- und Bahninfrastruktur (ab 1858 Linie Paris-Lyon-Mittelmeer) begünstigt. Der internat. Flughafen Cointrin (Flugplatz ab 1920) und die Ansiedlung der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) 1954, die ab 1961 den Bau der ersten Satellitenstadt in der Schweiz nach sich zog, beschleunigten das Wachstum. Zu Beginn des 21. Jh. bot die Gem. rund 26'000 Arbeitsplätze in zirka tausend Unternehmen, die hauptsächlich in der Spitzentechnologie tätig sind. Sie befinden sich in der Industriezone Zimeysa (seit 1969) und profitieren von der Nähe des CERN. Wegen des starken Bevölkerungswachstums von den 1960er Jahren an errichtete die Gem. zahlreiche Infrastrukturbauten für Sport- und Kulturanlässe. Die Integration der neuen kosmopolit. Bevölkerung wurde durch die Schaffung lokaler Vereine (42 im Jahr 2003) erleichtert, die seit 1962 gemeinschaftlich organisiert sind und von den Gemeindebehörden unterstützt werden. Ab 1966 wurde ein Alpengarten geschaffen.


Literatur
– A. Rodari, Survol de M., 1983 (41996)
– E.-L. Dumont, Histoire de M., 1991
– J. Bujard, «La maison de la Tour à M.», in Genava, NF 46, 1998, 51-60

Autorin/Autor: Martine Piguet / CN