Lancy

Polit. Gem. GE, am linken Rhoneufer gelegen, bestehend aus den durch das Aire-Tal voneinander getrennten Siedlungen Grand-L. und Petit-L. sowie mehreren Weilern (Pesay, Saint-Georges, La Tour, La Vendée, Le Pont Rouge), die mittlerweile einen zusammenhängenden Siedlungsraum bilden. 1097 Lanciaco. Anfang 15. Jh. 40 Haushalte; 1482 27; 1518 24; um 1800 508 Einw.; 1850 778; 1900 1'918; 1950 5'792; 2000 25'688.

In La Praille wurden 1936 Überreste aus der Jungsteinzeit entdeckt. Weitere Funde weisen auf eine permanente Besiedlung hin. Einige Funde machen einen röm. Ursprung der Strasse Genf-Carouge-L.-Seyssel-Lyon wahrscheinlich.

L. wird 1097 in Verbindung mit dem gleichnamigen Geschlecht erstmals erwähnt. Die Fam. der L., Sacconay und Ternier (1317 Besitzer der Burg Bâtie-Meillé) sowie das Domkapitel Genf teilten sich in die versch. Lehen der Pfarrei, in deren Besitz sie einander auch ablösten. In der Reformationszeit wurden die Güter des Kapitels von der Stadt Genf säkularisiert. 1589 wurde L. im Krieg zwischen Genf und Savoyen von den savoy. Truppen besetzt und 1593 von den Genfern in einer Strafaktion dem Erdboden gleichgemacht. Die Festen La Tour und La Bottière, die mehrmals wieder aufgebaut wurden, stellen die einzigen Zeugnisse des MA dar. 1275 wird eine Marienkirche erwähnt, deren Ruinen auf einem Katasterplan von 1710 noch erkennbar sind. In der Reformationszeit wurde die Kirche den Protestanten zugewiesen. In einigen Weilern der Gem. lebten weiterhin Katholiken. 1664 gründete der Bf. von Genf Jean d'Arenthon d'Alex in Pesay die Kapelle des Jesuskinds, die um 1755 abgerissen wurde. 1731-32 liess der Pfarrer von Confignon in Grand-L. am Standort einer 1699-1707 erbauten Kapelle die Dreifaltigkeitskirche errichten. 1780 wurde Carouge von der Pfarrei L. abgetrennt; diese wurde um Saint-Georges und Petit-L. erweitert, die vorher zur Pfarrei Onex gehört hatten. Als savoy. Gem. (Königreich Piemont-Sardinien), die 1792-1813 zu Frankreich gehört hatte, wurde L. im Vertrag von Turin 1816 Genf zugesprochen. 1873 wurden die Römischkatholiken im Zuge des Kulturkampfes aus der Dreifaltigkeitskirche vertrieben. An ihrer Stelle übernahmen die Christkatholiken die Kirche. Neue Kultstätten erhielten die Reformierten 1912 mit der Kapelle von Petit-L., 1912-13 die Römischkatholiken mit der Kirche Notre-Dame-des-Grâces.

Ab 1366 bezeugte Ziegeleien sowie Kalköfen waren bis ins 16. Jh. in Betrieb. Die in der Folge vorwiegend vom Ackerbau geprägte Gem. bildete zeitweilig ein wichtiges Zentrum der Landwirtschaft des Genferseegebiets. 1798 erwarb hier Charles Pictet-de Rochemont ein Gut, auf dem er sich erfolgreich der Zucht von Merinoschafen und dem Maisanbau widmete; sein Beispiel fand einige Nacheiferer. 1817-19 liess er durch Jean-Pierre und Jean-Samuel Noblet ein Herrenhaus errichten (seit 1957 Mairie), das er um 1830 durch einen Anbau erweiterte (Maison de l'Horloge). 1829 wurden Grand-L. und Petit-L. durch die Gué-Holzbrücke miteinander verbunden, die 1835 durch eine steinerne Bogenbrücke ersetzt wurde. Der 1884 über die Arve gebaute Pont Saint-Georges stärkte die Verbindung von L. zu Genf. 1889 wurde eine Tramverbindung nach Genf eingerichtet, die 1950 durch einen Busdienst ersetzt wurde. Die Epargne-Gartenstadt, eine von der Genfer Sparkasse in Petit-L. erbaute Arbeitersiedlung, wurde 1899 fertiggestellt. 1931 entstand ein ähnl. Wohnquartier in Le Bachet-de-Pesay. Schon vor dem 1. Weltkrieg wurden grosse Einfamilienhausquartiere errichtet. Der von der Société des exercices de l'arquebuse et de la navigation erbaute Schiessstand von Saint-Georges datiert von 1889. Auf dem Plateau von Saint-Georges wurde 1919-21 der erste permanente Flugplatz des Kantons angelegt und ein Linienflug nach Paris eingerichtet. Der 1924 erbaute Pont Butin über die Rhone ermöglichte den direkten Zugang zur Gem. von Aïre her. Im selben Jahr wurde Grand-L. an das Tramnetz angeschlossen. Nach der Teilkanalisierung der Drize und der Aire wurden die Feuchtgebiete von La Praille um 1935-38 trockengelegt. Der gleichnamige Güterbahnhof wurde 1941-49 errichtet, nachdem der Tunnel unter dem Stadtwald Bois de la Bâtie und der Viadukt La Jonction erstellt worden waren. Der 1954 vom Ingenieur Pierre Trembley erbaute Pont de L. ergänzte die das Aire-Tal querende Gué-Brücke. Die Fondation des terrains industriels Praille et Acacias bewirtschaftete 1958 die östl. Randzone der Gemeinde. Gleichzeitig verstärkte die Errichtung neuer Wohnquartiere südlich von Grand-L. (Les Palettes) und westlich von Petit-L. (La Caroline) den vorstädt. Charakter der Gemeinde. 1963 erlangte L. mit 10'000 Bewohnern den Status einer Stadt. 2003 wurde in La Praille das Stade de Genève eröffnet. 2006 wurde L. erneut an das Genfer Tramnetz angebunden.


Literatur
Histoire de L., hg. von B. Lescaze, 2001 (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Dominique Zumkeller / GL