09/10/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Jussy

Polit. Gem. GE, mit 1'125 ha eine der grössten Gem. des Kantons, linksufrig der Rhone an der franz. Grenze gelegen. J. umfasste bis 1850 auch das Dorf Gy. 1180 Jussiacum Episcopi. 1789 860 Einw.; 1850 1'020; 1860 705; 1900 617; 1950 650; 2000 1'107. Zu J., das im MA Teil des gleichnamigen bischöfl. Mandement war, gehörten die Schlösser Château du Crest und de Lullier sowie das bischöfl. Schloss. Letzteres lag mitten in einem befestigten Flecken, dem heutigen Weiler Le Château, und diente dem Bischof zeitweilig als Residenz. 1534 bildete diese Festung das Zentrum des von den Parteigängern des Bischofs und des Gf. von Savoyen getragenen Widerstands gegen Genf. Als die Genfer ihre bern. Verbündeten zu Hilfe riefen, wurde die Festung 1536 eingeäschert. Die Einwohner J.s wünschten, unter Genfer Herrschaft gestellt zu werden. Das Mandement J. ging in der Folge an Genf über. Das Lehen Les Arales, das die Fam. Ducommun, Théodore Ferrier und dann die Fam. Loys innehatten, bildete 1645-1760 einen Teil J.s. In der Revolutionszeit wurde zu Unrecht angenommen, dass das Château du Crest und das Landgut de la Gara Treffpunkte von Verschwörern seien. Im Jan. 1794 führte die sog. Expedition J. zur Besetzung der beiden Güter und zur Gefangennahme ihrer Besitzer. 1798-1814 war J. eine franz. Gemeinde im Departement Léman, kam dann aber wieder zu Genf. Seit dem Turiner Vertrag von 1816, der dem neuen Kanton auch die benachbarten Gem. zuschlug, ist J. keine Enklave mehr. Savoyen erhielt einen Teil des ehem. Lehens Les Arales. In der Maria Magdalena geweihten Kirche, die mehrmals vergrössert wurde, befindet sich ein Chorgestühl aus dem 15. Jh. (Stalles de Brogny), das sich seit 1681 in J. befindet. 1973 wurden bei einer Grabung Überreste einer ersten Kirche aus der Karolingerzeit entdeckt. J. trat 1536 zur Reformation über. Der rund 400 ha grosse Gemeindewald, der 1261 erstmals erwähnt wurde, gehörte ca. 1665-1856 dem Genfer Spital. Seit einer Güterregulierung ist er grösstenteils im Besitz des Kantons. Dieser liess öffentl. Wege anlegen und das 1725 errichtete Maison forte des Grands Bois restaurieren. Das Schul- und Sportzentrum Les Beillans wurde 1991 errichtet. J. ist mit mehr als 700 ha Kulturland, davon 40 ha Reben (1993), noch immer landwirtschaftlich geprägt.


Literatur
– A. Corbaz, Un coin de terre genevoise, [1917] (Neudr. 1993)
– C. Bonnet, «L'église de J.», in Genava NF 25, 1977, 63-107
Stalles de la Savoie médiévale, 1991, 121-125

Autorin/Autor: Marie-Claude Loup Micheli / MF