15/03/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Dardagny (Gemeinde)

Polit. Gem. GE. Umfasst die Dörfer D. und La Plaine, sowie mehrere Weiler, darunter Essertines und Malval. 1309 Dardaniacum. 1413 250 Einw., 1797 454; 1850 462; 1900 781; 1950 686; 1980 678; 2000 1'284. Auf Gemeindegebiet wurde ein jungsteinzeitl. Beil gefunden. Siedlungsspuren sind vom 1. Jh. v.Chr. an bezeugt (galloröm. Funde datieren von der späten Latènezeit bis ins 4. Jh. n.Chr.). Essertines wurde im 14. Jh. besiedelt. Vom 11. Jh. an unterstand D. dem Bf. von Genf (Mandemant Peney). Es war eine Enklave in Gebieten, die nacheinander den Gf. von Genf und Savoyen, den Bernern, erneut den Gf. von Savoyen und schliesslich Frankreich unterstanden. Vor 1798 hatte D. keine direkte Verbindung zu Genf. 1298 besassen zwei Herrschaften die hohe Gerichtsbarkeit. 1648 wurden diese Herrschaften vom Herrn von Châteauvieux und Confignon, einem Lehensmann der Republik Genf, zusammengelegt. Ab 1321 ist eine Dorfgem. bezeugt, die ihre Gemeingüter verwaltete. Das Gebiet der Herrschaft Châteauvieux wurde 1798 zur polit. Gem. D. Die Pfarrei D. ist mit der Kirche Saint-Pierre 1093 erwähnt, die dem Priorat Saint-Victor unterstand. Die Kirchgem. D.-Malval-Russin wurde 1544 errichtet, die neue Kirche 1723 fertig gestellt. Da der kath. Bevölkerungsanteil v.a. infolge des Zuzugs von Arbeitern nach 1850 stark zunahm (1880 54,4 % Katholiken und 44,7 % Reformierte), wurde 1889 die Pfarrei D.-Russin gegründet und eine Kirche in La Plaine gebaut, die den beiden Hl. Peter und Laurent geweiht war.

In D. wurde sowohl Getreide- und Weinbau als auch Viehzucht betrieben; noch im 18. Jh. kam es zu Waldrodungen. Bezeugt sind 1321 eine Getreidemühle, 1545 Papiermühlen und bis 1850 Papiermanufakturen. Die Uhrenmacherei siedelte sich im 17. Jh. an, verschwand aber am Anfang des 19. Jh. wieder. Im 19. Jh. entwickelte sich die Viehzucht weiter - eine Käserei wurde 1827 gebaut - verlor jedoch nach 1950 an Bedeutung, da sich D. auf den Weinbau spezialisierte: Zwischen 1960 und 1990 verdoppelte sich die Anbaufläche. Nach der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Lyon-Genf 1858 siedelten sich in La Plaine Unternehmen der Elektro- und insbesondere der chem. Industrie an (1860-1938 Rhône-Poulenc, seit 1938 Firmenich AG). Bis 1960 machten Bauern und Arbeiter den grössten Teil der Bevölkerung aus. Seither leben immer mehr im 3. Sektor beschäftigte Menschen in D., das sich insbesondere ab 1980 zu einer Wohngem. entwickelte (2000 ca. drei Viertel Wegpendler). 1978 erhielt D. den Wakker-Preis für die beispielhafte Erhaltung seines Dorfbildes.


Literatur
– J. Davier, D., commune genevoise (1818-1870), Liz. Genf, 1990
– B. Crettaz et al., La commune de D., 1991

Autorin/Autor: Jacques Davier / AA