02/03/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Corsier (GE)

Polit. Gem. GE am linken Genferseeufer. 1297 Corsiacum. 1816-58 bildete C. mit Anières eine Gemeinde. 1860 276 Einw.; 1900 355; 1930 309; 1950 363; 1970 948; 2000 1'682.

1 - Ufer- und Pfahlbausiedlungen

1858 machte Hippolyte-Jean Gosse, 1930 David Viollier auf eine versunkene grosse prähist. Ufersiedlung aufmerksam; in der älteren Forschung wird diese Pfahlbausiedlung La Gabiule genannt, aber sie ist eher bei C.-Port zu lokalisieren. Sie ist die einzige Fundstelle, bei der alle Perioden der prähist. Ufersiedlungen des Genfersees nachweisbar sind. Eine 1977-81 durchgeführte Untersuchung förderte Überreste von Behausungen aus dem Jungneolithikum (Cortaillodkultur), dem Endneolithikum, der Früh- und der Spätbronzezeit zu Tage. Die Dörfer erstreckten sich über eine Fläche von mehr als 400 x 100 m, ungefähr 80 m vom heutigen Ufer entfernt. Sie liegen 3 bis 5 m unter Wasser. Die Pfähle haben sich nur auf der Nordseite des Siedlungsgebietes erhalten; sie werden auf Jungneolithikum - aus dieser Zeit befindet sich hier eine dünne archäolog. Schicht - und Spätbronzezeit datiert. Die dendrochronolog. Analyse von 253 Pfählen hat acht verschiedene Datierungen ergeben; eine zählt zum Jungneolithikum (3856 v.Chr.), die anderen zur Spätbronzezeit (891-834 v.Chr.).

Autorin/Autor: Pierre Corboud / MS

2 - Von der römischen Epoche bis zur Gegenwart

Aus röm. Zeit wurde in der Nähe der heutigen Kirche eine villa gefunden. C. wird erstmals im 13. Jh. erwähnt, als die Edlen von Compey, Vasallen der Faucigny, ihre Rechte dem Gf. von Genf abtraten. Im 14. Jh. unterstand die ganze Region dem Haus Savoyen (Vogtei Chablais). Die Berner, die das Gebiet von 1536 bis 1564 bzw. 67 besetzten, gaben es dem Hzg. von Savoyen zurück. Genfer Bürger, die Rechte des Domkapitels geerbt hatten, bewirtschafteten in C. Ländereien. Unter franz. Herrschaft gehörte C. zum Dep. Mont-Blanc, dann zum Dep. Léman. 1816 wurden C. und Anières aufgrund des Turiner Vertrages zu einer Gemeinde des neuen Kt. Genf zusammengefasst. Die durch Finanzschwäche verursachten Streitereien zwischen den beiden Dörfern führten jedoch 1858 zur Trennung. Die 1323 erwähnte Pfarrei war vom Bf. von Genf, dann vom Kapitel abhängig. Die Kirche Saint-Jean-Baptiste, die auf röm. Fundamenten steht, weist einen rechteckigen Chor aus dem 13. oder einsetzenden 14. Jh., eine halbrunde Apsis und einen Kirchturm mit Vorhalle auf; sie wurde 1970 und 1983 restauriert. Bern führte 1536 die Reformation ein, die aber durch die Restauration des Hauses Savoyen rückgängig gemacht wurde. Ende des 16. Jh. wurde die Pfarrei von Anières derjenigen von C. angegliedert. 1595-1601 amtierte der hl. Franz von Sales als Pfarrer. Die Adelsfamilie de C., die nach 1428 erlosch, besass eine Festung; wahrscheinlich am gleichen Ort wurde in der 2. Hälfte des 17. Jh. das heutige Schloss erbaut, das letztmals 1972 renoviert wurde. Im 19. Jh. beherbergte es eine Brauerei. 1853-76 führten die Genfer Truppen in C. ihre Manöver durch, und die kant. Pulverfabrik wurde dort betrieben. Dank seiner Nähe zur Stadt Genf und der 1901 erbauten Tramlinie Vésenaz-Hermance, die später durch eine Buslinie ersetzt wurde, kennt C. seit 1960 ein stetiges demograf. Wachstum. Trotz der Errichtung eines grossflächigen Immobilienkomplexes (1971) und zahlreicher Einfamilienhäuser hat C. seinen ländl. Charakter beibehalten; 1986 wurden vom Souverän ein Hafenprojekt und die Auszonung von Bauland abgelehnt.

Autorin/Autor: Fabia Christen / MS

Quellen und Literatur

Literatur
– A. Bayer, L'histore de la paroisse de C.-Anières, 21987
– P. Corboud, V. Seppey, «Les stations littorales préhistoriques du Petit-Lac et la céramique Néolithique moyen de C.-Port GE», in ArS 14, 1991, 181-189
– A. Brulhart, E. Deuber-Pauli, Ville et canton de Genève, 21993