26/04/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Cologny

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Polit. Gem. GE, am linken Ufer des Genfersees, umfasst C. und mehrere Weiler, u.a. La Belotte und Ruth. (1208 Colognier). 1850 541 Einw.; 1900 773; 1950 1'339; 2000 4'697. Seeufersiedlungen aus der Jungsteinzeit in La Belotte. C. war ab 1208 in der Hand des Kapitels Saint-Pierre von Genf. Wegen der Gerichtsbarkeit kam es zu Konflikten mit dem Grafen von Genf; 1366 legte eine Übereinkunft die jeweiligen Rechte fest. Mit der Reformation fiel C. an die Stadt Genf. Im Vertrag zwischen Bern und Genf vom Mai 1538 wurde C. zum Gebiet der alten Stadtfreiheiten (franchises) geschlagen. Ende 16., Anfang 17. Jh. gaben einige Genfer Verleger den Namen C. (Colonia Allobrogum) als Erscheinungsort ihrer Bücher an, um das Verkaufsverbot in Frankreich zu umgehen. 1754 regelte der zwischen Genf und dem Herzog von Savoyen geschlossene Turiner Vertrag die gerichtsherrl. Rechte bezüglich der Güter Saint-Victors und des Kapitels. Der Herzog verzichtete zugunsten Genfs auf seine Rechte in Ruth und La Belotte. Nachdem Genf 1798 durch Frankreich annektiert worden war, trat am 9.12.1800 zum ersten Mal der Gemeinderat von C. zusammen. 1814 landeten die eidg. Truppen im Port Noir, heute ein Jacht- und Segelhafen. Die Pfarrei von C. mit der dem hl. Petrus geweihten Kirche wurde 1406 Vandœuvres angegliedert. 1536 wurde sie reformiert und erlangte 1727 erneut die Unabhängigkeit; Les Eaux-Vives löste sich 1831 von der Pfarrei C. ab. Früher vorwiegend landwirtschaftlich ausgerichtet, zählte die Gem. 1965 noch acht, 1975 noch zwei Landwirte. Seit dem 18. Jh. entstanden in C. schöne Landhäuser. Lord Byron und Percy Shelley weilten 1816 in C., Ersterer in der Villa Diodati; Mary Shelley schrieb dort ihren Roman "Frankenstein". Seit 1951 ist die Bibliothek des Sammlers Martin Bodmer (Bibliotheca Bodmeriana, 2003 Eröffnung des von Mario Botta erbauten Musée Bodmer) in C. angesiedelt. Die landschaftl. Schönheit des Ortes zog viele Berühmtheiten und kapitalkräftige Steuerzahler an; C. ist eine der reichsten Gemeinden des Kantons. Die heutigen Behörden versuchen, den Residenz-Charakter von C. zu bewahren.


Literatur
– P. Naville, C., 1958

Autorin/Autor: Jacques Barrelet / EJ