19/01/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Collonge-Bellerive

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. GE, seit 1816 Teil des Kantons. Sie umfasst die Dörfer Collonge, Vésenaz und Saint-Maurice sowie die Weiler Cherre, Bellerive, La Repentance und La Capite. 1153 Collonges, 1275 Sancto Mauricio, bis 1799 Collonge sur Bellerive. 1816 572 Einw.; 1850 803; 1900 950; 1950 1'830; 1990 4'769; 2000 6'344.

1 - Die frühgeschichtlichen Seeufersiedlungen

C. weist vor der Schiffsanlegestelle zwei unter Wasser liegende frühgeschichtl. Siedlungen auf. Die grössere, mehr als 170 m vom heutigen Ufer entfernte ist eine der besterhaltenen Pfahlbausiedlungen des Genferseegebiets aus der späten Bronzezeit. 1870 vom Archäologen Hippolyte-Jean Gosse entdeckt, wurde sie 1985-87 gründlich erforscht. Die erhaltenen Reste, v.a. zwei Komplexe von zwischen 998 und 880 v.Chr. gefällten Eichenpfählen, befinden sich, verbunden mit einer dichten Ansammlung von Kieselsteinen, auf einer Fläche von 400 auf 100 m etwa 4 m unter Wasser. Ausser unversehrt gebliebenen Haushaltsabfällen wurden viele Keramikgegenstände (alle aus der Spätbronzezeit) entdeckt. Sichergestellt wurde auch das Fragment eines Korbs aus Haselzweigen, das einzige im Genfersee gefundene Exemplar. Auf dem Sandboden sind zahlreiche Mahlsteine erkennbar.

Die zweite Siedlung ist kleiner (150 auf 50 m) und stark erodiert. Sie liegt näher beim heutigen Ufer in etwa 3 m Tiefe. Erhalten ist nur Material aus Stein; die Pfeilspitzen aus Silex werden auf die Periode zwischen Jungsteinzeit und Frühbronzezeit datiert.

Autorin/Autor: Pierre Corboud / AA

2 - Die Gemeinde

In C. wurden ausserdem Überreste einer röm. Villa und ein bei der alemann. Landnahme 277 vergrabener Münzschatz gefunden. Im 14. Jh. war C. der Abtei Bellerive, den Herren von La Bâtie Cholex, denen von Veigy und dem Domkapitel von Saint-Pierre in Genf abgabepflichtig. C. gehörte zuerst zur Grafschaft Genf, dann zu Savoyen (1401), Frankreich (1792), Sardinien (1814) und schliesslich seit 1816 zur Schweiz. Im 15. Jh. wurde in Vésenaz eine Befestigung gebaut. Das 1668-72 vom Hzg. von Savoyen errichtete Schloss Bellerive, das den Genfer Handel schädigen sollte, war bis 1792 Salzlager und Zollstation; bereits 1073 wird ein Schloss Bellerive erwähnt. Ab dem 14. Jh. bestanden Einwohnergemeinden in den drei Dörfern Collonge, Vésenaz und Saint-Maurice; bei der Annexion durch Frankreich 1792 wurden sie zu einer einzigen Gemeinde zusammengelegt.

Die Pfarrei Collonge wird erstmals 1153 genannt, die von Saint-Maurice 1275; Vésenaz hing von Vandœuvres ab. 1536 wurden die Pfarreien zu einer einzigen reformierten vereinigt, die 1598 katholisch wurde. Die Kirche von Collonge (Saint-Léger) stammt aus vorrom. Zeit; sie wurde viermal um- bzw. neugebaut, zuletzt 1792-1806. Die im 12. Jh. gegründete Zisterzienserinnenabtei von Bellerive wurde 1536 zerstört. Bis Ende des 18. Jh. beschränkte sich das eigentl. Siedlungsgebiet auf die drei Ortskerne. Die Strasse Genf-Thonon führte durch Vésenaz und zwischen Collonge und Saint-Maurice hindurch. Die bäuerl. Bevölkerung, die Viehzucht, im 16. bis 18. Jh. auch Getreide- und Weinbau betrieb, wies auch Maurer, Schmiede und Zimmerleute auf.

Im 19. Jh. wurden Häuser am See und in La Capite gebaut und neue Kantonsstrassen angelegt: Genf-Vésenaz dem Ufer entlang, Vésenaz-Hermance über Collonge und Vésenaz-Thonon. Die Verstädterung beschleunigte sich nach 1945. In La Gabiule und La Californie wichen bedeutende landwirtschaftlich genutzte Gebiete Villenquartieren. In La Pallanterie entstand eine Industriezone (Mühle, Weinkellerei). Noch heute wird Landwirtschaft, Garten- und Gemüsebau betrieben. Mehr als die Hälfte des Gemeindegebiets ist mit Dörfern und Villenquartieren überbaut.

Autorin/Autor: Georges Curtet / AA

Quellen und Literatur

Literatur
– C. Bonnet, L'ancienne église de Collonge, 1972
– G. Curtet, C., 2 Bde., 1986-96
– P. Corboud, V. Seppey, «Les stations littérales préhistoriques du Petit-Lac et la céramique Néolithique moyen de Corsier-Port GE», in ArS 14, 1991, 181-189
– P. Baertschi et al., C., 1997