Thomas

Waadtländer Fam., die 1458 das Bürgerrecht von Bex erlangte. Die T. machten sich ab dem 18. Jh. einen Namen als Förster, Botaniker und Pflanzenhändler, zuerst in Fenalet, dann in Les Dévens (beide Gem. Bex). Pierre (1708-81), Förster der Salinen von Bex, arbeitete mit Albrecht von Haller zusammen, als dieser Direktor der Salinen wurde. Abraham (1740-1824), Sohn des Pierre, sammelte ab 1764 für Haller Pflanzen in den Waadtländer und Walliser Alpen sowie in Norditalien und in der Ostschweiz. Er baute einen Handel mit Samen sowie frischen und getrockneten Pflanzen auf, die er in der freien Natur sammelte oder in seinen Gärten in Les Dévens, Les Posses und Le Fratchi anbaute. Sein Sohn Emmanuel (1788-1859), der ebenfalls mehrere Sammelreisen unternahm, führte den Handel weiter und baute ihn aus. Er veröffentlichte vier Kataloge über Schweizer Pflanzen und zwei Ergänzungsbände. Grundlage seiner zwei Kataloge über sardin. Pflanzen waren die Muster, die ihm sein Bruder Pierre-Philippe-Louis (1782-1831), Arzt in Cagliari, regelmässig aus Sardinien schickte. Der Handel wurde von Jean-Louis (1824-86) übernommen, dann von seinen Nachkommen weitergeführt und 1900 eingestellt. Die T. belieferten die bedeutendsten wissenschaftl. Sammlungen Europas mit Pflanzen. Abraham und Emmanuel pflegten die Zusammenarbeit mit Jean de Charpentier, Direktor der Salinen von Bex, Laurent Joseph Murith, Autor eines Walliser Pflanzenführers, und Jean Gaudin, denen sie Informationen und Muster lieferten. 1891 wurde in Pont de Nant oberhalb von Les Plans-sur-Bex zu Ehren der T. der Alpengarten Thomasia angelegt. Er untersteht den Museen und botan. Gärten des Kt. Waadt.


Literatur
– F. Cosandey, «Les naturalistes T. et leurs amis», in RHV, 1942, 81-105, 121-150
– J.-L. Moret, «La Thomasia et la famille T.», in La Thomasia, 1991, 11-16
– J.-L. Moret, «Données floristiques originales et aperçu des activités botaniques de la famille T., de Bex (VD, Suisse), selon une lettre inédite de Jean-Louis T. (1877)», in Bull. du Cercle vaudois de botanique 40, 2011, 77-86

Autorin/Autor: Jean-Louis Moret / ANS