• <b>Ludwig Schläfli</b><br>Porträt des Mathematikers. Foto aus dem Studio von  M. Vollenweider & Söhne,  Bern, um 1875 (Schweizerische Nationalbibliothek).

No 3

Schläfli, Ludwig

geboren 15.1.1814 Grasswil (Gem. Seeberg), gestorben 20.3.1895 Bern, ref., von Burgdorf. Sohn des Johann Ludwig, Handelsmanns, und der Magdalena geb. Aebi. Entfernter Cousin des Alexander ( -> 2). Ledig. Schulen in Burgdorf und Bern. 1831 Eintritt in die philosoph. Fakultät der Akad. Bern, 1835 in die theol. Fakultät der neu gegr. Univ. Bern auf Wunsch seiner Eltern, daneben Beschäftigung mit Mathematik und Naturwissenschaft, 1838 theol. Staatsexamen, Verzicht auf Ausübung des Pfarrberufs. 1836-47 Lehrer für Mathematik und Naturkunde an der Burgerschule bzw. am Progymnasium Thun. 1843-44 Reise nach Rom mit den Mathematikern Jakob Steiner, Karl Wilhelm Borchardt, Peter Gustav Lejeune Dirichlet und Karl Gustav Jacobi, die S. in die moderne Mathematik einführten. Ab 1847 PD an der Univ. Bern, aus Geldnot gleichzeitig Privatlehrer und Liquidationsrechner bei der Schweiz. National-Vorsichtskasse, ab 1853 ao., 1872-91 o. Prof. für Mathematik. S. forschte auf den Gebieten der Geometrie, Arithmetik und Funktionentheorie. Seine wichtigste Arbeit zur Geometrie, die erst 1901 postum publizierte "Theorie der vielfachen Kontinuität", befasst sich mit n-dimensionalen stetigen Mannigfaltigkeiten. Daneben lieferte er Beiträge zur Analysis, wo noch heute mehrere Begriffe seinen Namen tragen. S. war auch ein profunder Kenner der Flora des Kt. Bern und beherrschte neben Latein, Griechisch, Hebräisch und Sanskrit mehrere moderne Sprachen. Mitglied zahlreicher wissenschaftl. Gesellschaften. 1863 Dr. h.c. der Univ. Bern, 1870 Steiner-Preis der Akad. der Wissenschaften zu Berlin.

<b>Ludwig Schläfli</b><br>Porträt des Mathematikers. Foto aus dem Studio von  M. Vollenweider & Söhne,  Bern, um 1875 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/><BR/>
Porträt des Mathematikers. Foto aus dem Studio von M. Vollenweider & Söhne, Bern, um 1875 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Werke
Gesammelte mathemat. Abh., 3 Bde., 1950-56
Archive
– NB, Nachlass
Literatur
– J.H. Graf, «Ludwig S.», in Mitt. der Naturforschenden Ges. in Bern, 1896, 120-203 (mit Werkverz.)
– W. Rytz, «Prof. Ludwig S. als Botaniker», in Mitt. der Naturforschenden Ges. in Bern, 1920, 213-220
DSB 12, 170-173
– E. Neuenschwander, «Biographisches und Kulturhistorisches aus Briefen und Akten von Ludwig S.», in Gesnerus 36, 1979, 277-299
– R. Kellerhals, «Der Mathematiker Ludwig S.», in Mitt. der DMV 4, 1996, 35-43
NDB 23, 20 f.

Autorin/Autor: Erwin Neuenschwander