29/11/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Chancy

Polit. Gem. GE, in der Champagne, im äussersten Westen der Schweiz gelegen. Die Gem. umfasst die Dörfer C. und Passeiry sowie den Weiler Le Cannelet. 1240 Chancie. 1850 346 Einw.; 1900 331; 1950 296; 2000 913. In C. und dessen Umgebung stiess man auf zahlreiche Spuren aus der Römerzeit, u.a. auf Überreste einer Ziegelei mit einem Ofen und auf Ruinen eines Castrums in Montagny. Bis 1260 hatten die Gf. von Genf die Herrschaftsrechte inne. Zu diesem Zeitpunkt gestand Gf. Amadeus II. von Genf die Nutzung seiner Rechte in den Dörfern der Champagne, darunter auch in C., dem Priorat Saint-Victor zu. Für sich beanspruchte er nur noch die hohe Gerichtsbarkeit. Nach der Loslösung der Genfer Stadtgemeinde 1536 und der Abschaffung der geistl. Herrschaften anerkannten die Gemeindevorsteher von C. und Avully, dass sie nun nicht mehr dem Priorat Saint-Victor, sondern der Stadt Genf untertan waren. C. teilte bis 1749 die wechselvollen Geschicke der ehemaligen Ländereien von Saint-Victor. 1536 nahm das Dorf die Reformation an; es wurde eine Pfarrgemeinde gegründet, welche C., Cartigny und Valleiry umfasste. Die ma. Kirche Saint-Genis machte 1905 dem Rathaus Platz, das 1945 durch ein neues Rathaus ersetzt wurde, dessen Gemeindesaal vom Architekten Maurice Braillard entworfen worden war. Die klassizistische ref. Kirche wurde 1840-42 erbaut. C. war wichtiger Durchgangsort an der über le Fort-l'Ecluse führenden Strasse von Genf nach Lyon, denn hier gelangte man an das rechte Rhoneufer. 1424 ersetzte eine Brücke die Fähre. Nach dem Abbruch dieser Brücke 1589 wurde bis zum Bau einer zweiten 1858 der Fährbetrieb wieder aufgenommen. 1874 erfolgte der Bau einer Brücke am heutigen Standort (1906-07 erneuert).


Literatur
Aménagement du territoire Avusy C., 1969
– E. Golay, «Autour d'une émeute de paysans à C. au XVIIIe siècle», in BHG 15, 1975, 327-422
– P. Bertrand, C., 21979

Autorin/Autor: Catherine Santschi / EB