15/02/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Cartigny

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Polit. Gem. GE im Mittelpunkt der Champagne. Die ländl. Gem. mit konzentrierten Wohnsiedlungen (Anfang des 21. Jh. ca. 60% Einfamilienhäuser) umfasst die Dörfer C. und La Petite Grave. 1220 Cartiniacum, Quartinie. 1850 497 Einw.; 1900 385; 1930 325; 1950 398; 2000 748. Spuren aus der Römerzeit. C. gehörte im MA den Gf. von Genf, die ihre Rechte als Sicherheit für finanzielle Vorteile nach und nach dem Priorat Saint-Victor abtraten. Das Priorat besass nördlich von C. an einem oberhalb der Rhone gelegenen Ort namens Les Roches eine bereits 1351 erwähnte Burg, die als Le Châtelard bekannt war. Diese diente dem Kastlan als Residenz und Gefängnis und den Prioren als Nebenwohnsitz. 1528 wurde sie von den Truppen des Hzg. von Savoyen, Karls III., der mit Prior François Bonivard im Streit lag, eingenommen. Nach der Befreiung Genfs durch Berner Truppen 1536 anerkannten die Behörden von C., Untertanen Genfs zu sein. Laut Beschluss des Genfer Rates der Zweihundert vom 5. April 1536 mussten die Bewohner von C. zum ref. Glauben übertreten. Von da an teilte C. bis 1754 das Schicksal der anderen Besitzungen von Saint-Victor. Die Verfassung von 1794 machte aus C. einen Bezirk des Arrondissements Genf Süd; seit dem franz. Gesetz vom 17.2.1800 ist C. eine Gemeinde. Kirchlich bildete C. mit Chancy und Valleiry eine Pfarrei, ab 1598 mit Avully und Onex und ab 1716 nur noch mit Avully. Seit 1838 ist jede dieser Gem. eine eigenständige Pfarrei. Die früher dem hl. Georg geweihte, 1412 erstmals belegte Kirche wurde 1772 völlig umgestaltet. Ab dem 17. Jh. erwarben die Genfer Bürgerfam. Bordier und Duval Güter in unmittelbarer Nähe des Dorfes. 1757 liess Charles Pictet, der Vater von Charles Pictet-de Rochemont, das als Schloss bezeichnete Landhaus errichten, das heute die Vereinigung Der Engel des Herrn beherbergt. In einem anderen Haus ist das Begegnungszentrum der ref. Landeskirche untergebracht. Philippe Monnier verewigte C. in seinem Buch "Mon Village" (1909). Die Mühle (Moulin de Vert) in der alten Rhoneschlaufe besteht seit 1939 nicht mehr; 1970 wurde dort ein Naturschutzgebiet geschaffen. Alte Volksfeste sind in C. immer noch lebendig. Am ersten Sonntag im Mai wird der Feuillu gefeiert, dem jeweils der alte, mit dem heidnischen Wasserkult verbundene Brauch der Brunnenreinigung vorangeht.


Literatur
– J. Martin, Histoire et traditions de C., 1946

Autorin/Autor: Catherine Santschi / EM