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Oken, Lorenz

geboren 1.8.1779 Bohlsbach (heute Stadt Offenburg, Baden, D), gestorben 11.8.1851 Zürich, kath., später angeblich luth., ab 1835 von Wipkingen (heute Gem. Zürich). Sohn des Johann Adam Okenfuss, Bauern, und der Maria Anna Fröhle. ∞ 1814 Louise Stark, Tochter des Christian. Ab 1800 Medizinstud. in Freiburg i.Br., 1804 Dr. med. Studienaufenthalt bei Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling und Ignaz Döllinger in Würzburg. 1805 PD an der Univ. Göttingen, 1807 ao. und 1812-19 o. Prof. an der Univ. Jena, Entlassung infolge polit. Stellungnahmen für Burschenschaft und Liberalismus. 1821-22 PD an der Univ. Basel. 1827 PD, 1828-32 o. Prof. an der Univ. München, nach Streit mit konservativen Kollegen Zwangsversetzung und erneute Entlassung. 1833-51 Ordinarius für allg. Naturgeschichte, Naturphilosophie und Physiologie des Menschen an der Univ. Zürich, 1833-35 deren erster Rektor. Gründer und 1817-48 Herausgeber der enzyklopäd. Zeitschrift "Isis"; 1822 Mitgründer der Gesellschaft Dt. Naturforscher und Ärzte. O. gehörte zu den einflussreichsten dt. Gelehrten in der Übergangsphase von der Naturphilosophie zur exakten Wissenschaft. In der Tradition Schellings stehend begriff er die Natur dynamisch als stufenweise sich vollziehende Verwandlung Gottes in der Welt, deren Krone der Mensch sei. Das Tierreich klassifizierte er physiologisch aufgrund seiner Theorie der Sinne. Daneben trat er in jungen Jahren auch als Naturforscher hervor durch seine vergleichend-anatom. Studien zur Embryonalentwicklung der Säugetiere und seine Wirbeltheorie des Schädels. Letztere brachte ihn in einen Streit mit Goethe, der Plagiatsvorwürfe gegen O. erhob. 1816 Dr. h.c. der Univ. Giessen, 1818 Mitglied der Leopoldina.


Werke
Lehrbuch der Naturphilosophie, 3 Bde., 1809-11
Allg. Naturgesch. für alle Stände, 15 Bde., 1833-43
– GW 1-, 2007-
Literatur
– P. van Hasselt, Lorenz O. in Basel, 1946
– E. Kuhn-Schnyder et al., Lorenz O., 1779-1851, 1980
NDB 19, 498 f.
Lorenz O. (1779-1851), hg. von O. Breidbach et al. 2001, (mit Werkverz.)

Autorin/Autor: Erwin Neuenschwander