No 9

Munzinger, Werner (Pascha)

geboren 21.4.1832 Olten, gestorben 15.11.1875 Aussa (Äthiopien), kath., von Olten. Sohn des Josef ( -> 4) und der Anna Maria geb. Lüthi. Bruder von Walther ( -> 8) und Wilhelm ( -> 10). ∞ Witwe aus dem Volk der Bogos und Adoption ihres Sohnes. Schulen in Solothurn, ab 1850 Stud. der oriental. Sprachen in München und Paris. 1852 ging M. nach Kairo, unternahm ab 1853 Handels- und Forschungsreisen ans Rote Meer, zuletzt nach Massaua (Eritrea), und publizierte erste Studien zu Sprache und Sitten der Einwohner. 1855 übersiedelte er nach Keren (Eritrea) und plante den Aufbau einer Schweizer Kolonie. 1861 nahm er an der dt. Expedition zur Auffindung Eduard Vogels teil. 1864 wurde er franz., 1865 brit. Vizekonsul in Massaua, 1868 unterstützte er den brit. Feldzug gegen Tewodros II. und wurde 1869 bei einem Attentat schwer verwundet. 1871 wurde M. vom ägypt. Vizekönig zum Bey und Gouverneur von Massaua, 1872 von Suakim und 1873 zum Pascha und Generalgouverneur der ägypt. Gebiete im Sudan und am Roten Meer ernannt. Bei einem Eroberungszug von Tadjoura (Djibouti) aus fand er 1875 mit seiner Frau, seinem Assistenten Adolf Haggenmacher und dem grössern Teil seiner Truppe den Tod. M. hatte Bedeutung als Ethnologe, Kartograf, Handelspionier, Staatsmann. Er hinterliess einen ausserehel. Sohn, Josef (1874-97), der in der Schweiz erzogen wurde.


Werke
Sitten und Recht der Bogos, 1859
Ostafrikan. Stud., 1864
Vocabulaire de la langue Tigré, 1865
Archive
– BAR
– FamA T. Kaiser Bern
– StadtA Olten
– UBB Nachlass J.M. Ziegler
Literatur
NDB 18, 600 f.
– T. Kaiser, «Werner M.-Pascha im Spiegel von Familienbriefen», in JbSolG 63, 1990, 5-85

Autorin/Autor: Thomas Franz Schneider