03/03/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bernex

Polit. Gem. GE, am linken Rhoneufer, 1793 unter dem Namen B.-Onex-Confignon gebildet, 1850 von Onex und Confignon getrennt. Die Gem. umfasst B. sowie die Weiler Chèvres, Loëx, Lully, Sézenove und die Wüstung Vuillonnex. 1256 Brenay. 1860 986 Einw.; 1900 1'004; 1960 1'679; 1970 3'870; 1980 8'055; 2000 9'076. 1968 kamen im Gebiet En Saules ein röm. Gutshof (1.-2. Jh.) und Pfostenlöcher von frühma. Hütten zum Vorschein. Die erste nachweisbare, dem hl. Matthäus geweihte Kirche (erster Bau frühma.) lag in Vuillonnex und war ab dem 12. Jh. Sitz eines Dekanats der Diözese von Genf. Die Pfarrkirche Saint-Maurice in B. ist seit dem 13. Jh. belegt. Im 14. Jh. übten versch. Vasallen der Gf. von Genf (u.a. de Lully, de La Naz, de Confignon) Rechte im Gebiet von B. aus. Eine Dorfgenossenschaft mit gewissen Freiheiten formte sich im 14. und 15. Jh. Nach dem Aussterben der Gf. von Genf gingen deren Herrschaftsrechte in der Gegend von B. 1401 an die Gf. und späteren Hzg. von Savoyen über. 1536 eroberte Bern Teile der ehemaligen Grafschaft Genf und führte dort die Reformation ein. Bis 1567, als der Lausanner Vertrag (1564) in Kraft trat, gehörte B. zur bern. Landvogtei Ternier. Gemäss diesem Abkommen erstattete Bern dem Hzg. von Savoyen die besetzten Gebiete teilweise zurück. Eine Klausel sah aber vor, dass der ref. Gottesdienst dort, wo er eingeführt worden war, weiter bestehen sollte. 1589 widerrief Karl Emmanuel von Savoyen den Vertrag, und es wurde in B. ein kath. Priester eingesetzt. Trotz zahlreicher Übertritte zum kath. Glauben konnte sich in B. der ref. Gottesdienst halten, wenn auch nur mit Mühe und Unterbrüchen. 1600 wurden die kath. Pfarreien B., Confignon und Vuillonnex zusammengefasst. Schon 1617 besass die Kirche von Confignon wieder einen Pfarrverweser. Während der Turiner Vertrag (1754), der die Gerichtsbarkeit über die dem Priorat Saint-Victor sowie dem Domkapitel Saint-Pierre gehörenden Gebiete regelte, für B. kaum Folgen hatte, brachte die Annexion Savoyens durch Frankreich 1793 die Entstehung der Gem. B.-Onex-Confignon. 1816 kam B. zum Kt. Genf.

Ab 1889 brachte die Tramlinie Genf-B. die Gem. der Stadt näher (1961 durch Busse ersetzt). Das 1896 erstellte Wasserkraftwerk Chèvres wurde 1943 durch jenes von Verbois ersetzt. 1899 erfolgte die Gründung der kant. Anstalt für unheilbar Kranke (Maison de Loëx). Im Jahrzehnt nach dem 2. Weltkrieg führte die starke Bevölkerungszunahme der Stadt Genf zu Wohnungsnot; ihr begegnete man mit dem Bau von Wohnblocks zunächst an der Stadtperipherie, später auch in den Gemeinden des Umlands. Im Zuge dieser Entwicklung wurde in B. ab 1959 Agrarland der Bauzone für niedrige Gebäude zugewiesen. 1960-80 nahm die Einwohnerzahl um fast 400% zu. Angesichts dieses Wachstums erliessen die Behörden 1979 ein Baureglement, das darauf abzielte, der Ortschaft ihre bauliche Geschlossenheit und möglichst viel Grünfläche zu erhalten. Trotz der schnellen Verstädterung, einer fortgeschrittenen Tertiarisierung und der Entwicklung zur Wohngem. (1990 80% Wegpendler) ist B. viertgrösste Rebbaugem. Genfs geblieben (Rebberge z.T. im Besitz des Staats Genf) und hat seinen ländl. Charakter bewahren können. Noch immer machen landwirtschaftl. Nutzfläche (Getreide, Gemüse, Raps) und Wald 64% bzw. 19% des Gebiets der drittgrössten Gemeinde des Kantons aus.


Literatur
– B. Bertrand, Autour du coteau de B., 1980

Autorin/Autor: Jacques Barrelet / MF