11/06/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bellevue

Polit. Gem. GE, am rechten Genferseeufer gelegen, bestehend aus B. und den Weilern Vengeron, Les Tuileries, Valavran und Colovrex (1257 Colovray). Die Gem. B. mit mehreren Landsitzen reformierter Genfer Bürger wurde unter diesem Namen 1855 geschaffen. Sie trennte sich aus polit. und konfessionellen Gründen vom kath. und bäuerl. geprägten Collex-Bossy. 1860 324 Einw.; 1900 362; 1950 684; 2000 1'801. Neolith. Spuren, bronzezeitl. Seeufersiedlung, galloröm. Ziegelei (1.-3./4. Jh.). Im MA gehörte B. als Teil des Lehens von Bâtie-Beauregard den Herren von Gex, während Colovrex und Valavran zum grössten Teil dem Kloster Saint-Victor unterstanden. 1536 geriet das Lehen unter bern. Herrschaft und teilte in der Folge das Geschick des Pays de Gex: savoyisch 1564-90, genferisch 1590-1601, franz. 1601-1816. 1816 erfolgte die Integration in den Kt. Genf. Kirchlich gehörte B. zur Pfarrei Collex. Nach der Reformation besuchten die Einwohner von Bâtie-Beauregard den Gottesdienst in Ornex (F). Nach 1601 wurde in Ornex und Collex der kath. Kultus wieder eingeführt; die Protestanten von B. halten seitdem ihren Gottesdienst in Genthod ab. Die kath. Kirche Sainte-Rita wurde 1962-63 erbaut. Unter dem Ancien Régime wurde hauptsächlich Landwirtschaft auf sehr zerstückelten und kleinen Gütern betrieben. Um 1736 bis Ende des 2. Weltkriegs bestand eine Ziegelei. Vor dem 19. Jh. fehlte ein eigentl. Dorfzentrum. Das Gemeinde- und Schulhaus wurde 1888-89 errichtet. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgte 1858. 1901-25 verband eine Tramlinie das Dorf mit Genf, eine Buslinie besteht seit 1991. B. zählt mehrere Villenquartiere, darunter die des Vereins Le Coin de Terre. 80% der Berufstätigen arbeiten im 3. Sektor.


Literatur
– P. Bertrand, B., commune genevoise, 1955 (21986)
– D. Paunier, «Un four de tuilier gallo-romain à B.», in Genava NF 20, 1972, 61-80

Autorin/Autor: Martine Piguet / EB