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Henle, Jacob

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geboren 19.7.1809 Fürth (Bayern), gestorben 13.5.1885 Göttingen, isr., ab 1821 prot.; Sohn des Wilhelm, Kaufmanns, und der Helena Sophia geb. Diespeck. ∞ 1) 1846 Elise Egloff, 2) 1849 Marie Richter. Medizinstud. in Heidelberg und Bonn, 1832 Dr. med. in Bonn. 1834 Prosektor des Physiologen Johannes Müller in Berlin, 1837 PD. 1840 vermutete H. in seiner Schrift "Von den Miasmen und Kontagien und von den miasmatisch-kontagiösen Krankheiten" unsichtbare Erreger als Verursacher der Infektionskrankheiten. 1840 Berufung als o. Prof. für Anatomie und Physiologie nach Zürich. 1841 erstmaliges Erscheinen der "Allg. Anatomie", in der H. die Zelle als Grundlage der Gewebelehre berücksichtigte. 1844-69 Herausgabe der "Zeitschrift für rationelle Medicin" zusammen mit dem Kliniker Karl Pfeufer. 1844 Berufung nach Heidelberg, ab 1852 Prof. der Anatomie und Physiologie in Göttingen. Der hervorragende Lehrer, Schriftsteller und Forscher beschrieb erstmals das Epithel (Deckgewebe) von Haut und Schleimhäuten sowie das Endothel (innere Auskleidung) der kleineren Arterien. Nach ihm benannt wurden etwa die innere Wurzelscheide des Haares oder die Umbiegung der Nierenkanälchen (Henle'sche Schleife). Bedeutend waren auch H.s Arbeiten zur vergleichenden Anatomie und Pathologie. Seine Ehe mit der Näherin Elise Egloff wurde von Berthold Auerbach ("Die Frau Professorin" 1847) und in Gottfried Kellers Figur der Regine im "Sinngedicht" literarisch verarbeitet.


Literatur
Elise Egloff, hg. von P. Rehberg, 1937
NDB 8, 531 f.
– G. Gozzi, Jakob H.s Zürcher Jahre, 1840-1844, 1974
Geprüfte Liebe, hg. von G. Kübler, 1987
Göttinger Biologen 1737-1945, bearb. von G. Wagenitz, 1988, 77 f.

Autorin/Autor: Christoph Mörgeli