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Avully

Polit. Gem. GE. In der Champagne gelegen, umfasst sie die Siedlungen A.-Village, Epeisses, Eaumorte und Gennecy. 1220 Avulie. 1850 305 Einw.; 1900 368; 1950 307; 1960 469; 1970 1'041; 2000 1'736. 1220 übertrugen die Gf. von Genf der Propstei Saint-Victor in Genf Güter in A., behielten aber die hohe Gerichtsbarkeit. Diese gelangte 1402 an die Gf. von Savoyen, 1536 an Bern und 1567 wiederum an Savoyen; die anderen Rechte lagen bei der Propstei Saint-Victor. Durch die Verträge von Lyon 1601, die den Krieg zwischen Savoyen und Frankreich beendeten, kam A. mit Chancy und Aire-la-Ville an Frankreich. 1604 schenkte Kg. Heinrich IV. A. den Genfern. Da das Parlament von Burgund in Dijon seine Zustimmung verweigerte, verblieb das Dorf bis zum Vertrag von Paris 1749 bei Saint-Victor und verfügte damit nur über eine beschränkte Autonomie. Appellationsinstanz blieb der Kg. von Frankreich, in dessen Kompetenz auch die Blutgerichtsbarkeit lag. Die anderen Rechte wurden durch Genf wahrgenommen. Regelmässig kam es zu Konflikten wegen der von den franz. Einnehmern unrechtmässig eingeforderten Steuern (Taille). Wie in anderen Genfer Gem. wurde 1794 die lokale Einwohnergem. aufgehoben. A. wurde einer der 15 Landbez. Die Gem. A. in ihrer heutigen Form geht auf das franz. Gesetz vom 17.2.1800 zurück. In kirchl. Hinsicht gehörte A. zur Pfarrei Chancy, die sich 1536 mit der Übernahme der Herrschaft durch Bern der Reformation anschloss und auch während der nachfolgenden savoyischen Epoche beim neuen Glauben verblieb. Der Abschied von Basel 1544 schlug die Einkünfte Genf zu. 1716 wurde A. aus verwaltungstechn. Gründen der Pfarrei Cartigny angegliedert. Im gleichen Jahr erfolgte der Bau einer Kirche. 1838 löste sich A. wieder und wurde zu einer eigenständigen Pfarrei. Lange Zeit prägten Ackerwirtschaft und Weinbau das Wirtschaftsleben A.s. An der Rhone, die seit 1925 an der schweiz.-franz. Grenze bei Chancy und Pougny (F) eine hydroelektr. Fabrik antreibt, bestand von röm. Zeit bis ins 18. Jh. in einer Flussschlaufe nördl. von Epeisses ein Hafen. Eine Brücke über die Rhone wurde 1291 erw. Nach deren Zerstörung (1321) verband eine Fähre die beiden Ufer, bis 1857 die Brücke nach La Plaine gebaut wurde. Die Verbindung mit Cartigny wurde 1873 durch den Bau der Brücke von Nant des Crues und einer den Hügeln entlang laufenden Strasse verbessert. Der Bevölkerungszuwachs A.s zwischen 1970 und 1990 ist auf die Gesamtüberbauung Gennecys und die Umnutzung landwirtschaftl. Wohnraums durch Städter zurückzuführen.


Literatur
– P. Bertrand, «A., commune genevoise», in Bull. de l'Inst. national genevois 55, 1952, 86-130
A., 1993

Autorin/Autor: Catherine Santschi / SK