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Colladon, Jean-Daniel

geboren 15.12.1802 Genf, gestorben 30.6.1893 Genf, ref., von Genf. Sohn des Henri, Lehrers am Kollegium, und der Jeanne-Marthe geb. Marié. ∞ Stéphanie-Andrienne Ador, Tochter des Jean, Richters am Handelsgericht und Bürgermeisters von Vandœuvres. 1824 Stud. der Mathematik in Paris. 1827 erhielt C. für die mit seinem Freund Charles François Sturm betriebenen Forschungen auf dem Gebiet der Komprimierbarkeit von Flüssigkeiten den grossen Preis der Pariser Akad. der Wissenschaften. Durch Unterwassermessungen der Schallgeschwindigkeit kam er auf die Idee, die Meerestiefe echografisch auszuloten und akust. Signale für die Verständigung zwischen Schiffen festzulegen. Nachdem C. in den Labors von André Marie Ampère und von Joseph Fourier gearbeitet hatte, beteiligte er sich 1828-29 an der Gründung der Ecole centrale in Paris, an der er bis 1839 unterrichtete. 1839-59 war er Prof. für Mechanik an der Akad. von Genf, 1843-44 leitete er den Bau der Genfer Gasfabrik und machte dabei Versuche zum Energieverlust bei der Gastransmission. Dabei kam er auf den Gedanken, für die Vereinfachung des Tunnelbaus Druckluftbohrmaschinen einzusetzen. Trotz einer erfolgreichen Demonstration 1857 in Etrembières (Hochsavoyen) und zahlreichen Vorstössen musste sich C. gedulden, bis er 1872 von Louis Favre beim Bau des Gotthardtunnels als beratender Ingenieur beigezogen wurde. Favre betraute ihn v.a. mit der Aufgabe der Druckluftbeschaffung. C. war als Gasingenieur sehr gefragt und leitete 1862 den Bau der Gasfabrik von Neapel. Er schuf zudem verschiedene weitere in der Schifffahrt anwendbare Erfindungen sowie Arbeiten über die Luftelektrizität. 1884 erhielt er für seine Arbeit am Gotthard den Fourneyron-Preis der Pariser Akad. der Wissenschaften.


Archive
– Nachlässe in: SLA und BPUG
Literatur
– H. Favre, L'œuvre d'un physicien et ingénieur genevois, Jean-Daniel C., 1953
Livre du Recteur 2, 532

Autorin/Autor: René Sigrist / MF