Quantitative Methoden

Beim Einsatz von Q. in der Geschichtswissenschaft (Geschichte) geht es im weitesten Sinne um Messen und Zählen, wie es in deskriptiver Form schon immer verwendet worden ist. Q. gehen insofern darüber hinaus, als dass sie mit Hilfe statist. Methoden und Analysen (Statistik) zu hist. Erkenntnissen gelangen. Dieser Zugang erlaubt die Überprüfung von Vorstellungen über hist. Abläufe und Wirkungen, die den intuitiven Prozess des Verstehens ergänzt und ihm eine neue Dimension der Analyse zur Seite stellt. Obwohl nicht mit der Benutzung des Computers identisch, erleichtert die elektron. Datenverarbeitung die Anwendung von Q. beträchtlich. Klass. Instrumente beim Einsatz von Computern sind Statistikpakete, Datenbanken und Grafikprogramme, die ermittelte Resultate anschaulich aufbereiten.

Erste kleinere Projekte wurden in der Schweiz in der 2. Hälfte der 1960er Jahre im Rahmen der strukturellen Betrachtung von Geschichte (Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte) gestartet, wobei in ca. der Hälfte davon Computer eingesetzt wurden (Informatisierung). Als Massenspeicher dienten Magnetbänder, zur Programmierung wurden Lochkarten verwendet. Frühe Schweizer Beispiele waren Silvio Buchers Dissertation zu "Bevölkerung und Wirtschaft des Amtes Entlebuch im 18. Jh." (1974) und Erich Gruners Abhandlung "Die Wahlen in den schweiz. Nationalrat 1848-1919" (1978). Mit dem Aufkommen der Personal Computer und Programmen wie dBase, SPSS und Excel wurde um die Mitte der 1980er Jahre der Einsatz Q. für weitere Kreise interessant. Zu Beginn der 1990er Jahre erweiterte sich das Spektrum der Forschungsvorhaben: Von eng begrenzten Datensammlungen als Hilfsmittel für einzelne Fragestellungen hin zu systematisch aufbereiteten und edierten Datenbanken, die als Grundlage für eine Vielzahl von Fragestellungen dienen, wie im Fall der von Christian Pfister begründeten Datenbank Euro-ClimHist mit über 100'000 Datensätzen zur Klimageschichte.

Themat. Schwerpunkte der Q. bilden seit jeher demograf., wirtschafts- und sozialgeschichtl. Fragestellungen. Der seit 1989 bestehende Verein Geschichte und Informatik als Zweig der internat. Association for History and Computing bietet eine Plattform für interdisziplinär arbeitende Historiker.


Literatur
– K.H. Jarausch et al., Q. in der Geschichtswiss., 1985
Gesch. und Informatik 1-, 1990-
– U. Dietrich, Datenbanken in der Geschichtswiss. am Beispiel von Euro-ClimHist, Liz. Bern, 2000

Autorin/Autor: Urs Dietrich