Valangin (Gemeinde)

Polit. Gem. NE, Bez. Val-de-Ruz. Am nördl. Eingang in die Seyon-Schlucht gelegen, umfasst den Weiler La Borcaderie und die Bauernhöfe Bussy und Le Sorgereux. 1241 de Valengiz, dt. früher Valendis. 1750 186 Einw.; 1850 418; 1900 476; 1950 427; 2000 400.

1 - Frühgeschichte

Im Wald Bussy oberhalb von V. wurden zwischen 1920 und 1960 gut zehn Hügelgräber aus der Hallstattzeit archäologisch untersucht. Die im Tumulus 8 aus der frühen Hallstattzeit entdeckten Knochen gehören zu einem Mann, der mit einem eisernen Rasiermesser, einem Armreif und Toilettgeräten bestattet wurde. Das Hügelgrab 4 barg eine Ansammlung von Armreifen aus Sapropelit, Ringen und einer Schelle aus Bronze sowie einem Armreif aus Bronzedraht aus der mittleren Hallstattzeit. Im Tumulus 5, dem grössten dieses Fundorts, fanden sich vier Körpergräber, darunter ein mit besonders reichen Beigaben versehenes Frauengrab aus der späten Hallstattzeit. Es enthielt eine breite Gürtelplatte aus verzierter Bronze, Bronzeschmuck und eine Halskette aus Lignitperlen. Diese Hügelgräber gehören zu den bedeutendsten Bestattungsplätzen der frühen Eisenzeit in der Region.

Autorin/Autor: Gilliane Kern / ANS

2 - Gemeinde

V. war der Sitz der gleichnamigen ma. Herrschaft, die 1592 der Grafschaft Neuenburg angegliedert wurde. Zuoberst auf dem Hügel über dem Städtchen wurden Reste eines rom. Turms (wahrscheinlich mit Ringmauer) freigelegt, die möglicherweise zu einem frühen herrschaftl. Wohnturm aus dem 11. und 12. Jh. gehörten. Der Bergfried des Schlosses (heute Regionalmuseum) stammt aus dem 13. Jh., die Ringmauer wurde bis zum 15. Jh. fertiggestellt, die äussere Mauer, die das Städtchen mit dem Schloss verband, datiert aus dem 15. bis 16. Jh. Das Städtchen V. entstand am Fuss des Schlosses, das sein heutiges Erscheinungsbild einer archäolog. Restaurierung Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. verdankt. Die regelmässige Anlage des heutigen Städtchens spricht für eine geplante und beabsichtigte Gründung durch die von Aarberg zwischen 1301 und 1330, wahrscheinlich nach der Zerstörung von La Bonneville. Das erste Stadtrecht erteilte Johann von Aarberg 1352. Die Bürgerschaft (1852 aufgelöst) war jenen Einwohnern von V. vorbehalten, die ein Haus besassen. Später wurden aber auch Einwohner aus der übrigen Herrschaft und sogar von ausserhalb ins Bürgerrecht aufgenommen. Kirchlich gehörte V. zur Pfarrei Engollon. Die Stiftskirche Saint-Pierre liessen Claude von Aarberg und Guillemette de Vergy errichten. 1505 wurde sie geweiht und 2005 letztmals restauriert. In der Kirche befinden sich die Gräber mit den Reliefs der beiden Stifter. Das Kapitel mit Propst und sechs Domherren inkorporierte sieben der elf Pfarrkirchen der Herrschaft, darunter auch jene von Engollon. Es wurde nach kurzem Bestehen mit der Reformation 1536 aufgehoben, nachdem die Stiftskirche 1531 geplündert worden war. Fortan bildete V. mit Boudevilliers eine Kirchgemeinde, seit 2011 besteht eine einzige Kirchgemeinde für das ganze Val-de-Ruz. Sägereien, Mühlen und Stampfen nutzten die Wasserkraft der Sorge und des Seyon. In La Borcaderie wurde 1766 eine Indiennemanufaktur eröffnet. Südlich des Dorfs entdeckte Edouard Desor 1853 eine Gesteinsschicht, die er Valanginien nannte. Ab 1901 verband eine Strassenbahn und 1948-68 ein Trolleybus V. mit Neuenburg. Seither verkehrt ein Autobus auf der Strecke Neuenburg-Cernier. Mit dem 1975 eröffneten Viadukt wurde V. umfahren. Es ist Teil der Hauptstrasse vom Col-des-Roches über La Chaux-de-Fonds nach Neuenburg und führt in die Schlucht des Seyon. Ein erstes Viadukt stürzte während des Baus 1973 ein. Zu Beginn des 21. Jh. zählte V. noch einige Bauernbetriebe und etwas Gewerbe, doch die Erwerbstätigen waren mehrheitlich Pendler.

Autorin/Autor: Maurice Evard / ANS

Quellen und Literatur

Literatur
Kdm NE 3, 1968, 135-182
HS II/2, 536 f.
– M. Evard, Au fil du Seyon, 1978
SPM 4, 341
RHN, 2005, Nr. 1-2
– C. Dunning, Le premier âge du Fer sur le versant méridional du Jura, 2005