Resident

Seit Beginn des 16. Jh. bezeichnet der Begriff R. einen diplomat. Vertreter niederen Rangs, der laut Wiener Reglement von 1815 nach den Gesandten und Ministern, aber vor den Geschäftsträgern rangiert. Versch. Mächte unterhielten R.en in der Alten Eidgenossenschaft oder bei deren zugewandten Orten, wobei jene aus Frankreich die bekanntesten waren. Frankreich liess sich 1679-1798 neben dem in Solothurn etablierten Botschafter für die Gesamteidgenossenschaft beim zugewandten Ort Genf durch einen R.en vertreten (insgesamt zwölf). In Graubünden residierten ab 1525 mit Unterbrechungen R.en des franz. Königs. Z.T. waren es Franzosen, z.T. Schweizer, die 1663-98 sukzessive, dann bis 1799 sporadisch als Gesandte, Secrétaires-interprètes oder Geschäftsträger den offiziell akkreditierten Ambassador vertraten. Ins Wallis entsandte Frankreich zunächst einzelne Agenten (1691-1714 aus der Fam. Federbe de Maudave), dann 1744-98 sowie 1803-10 ständige R.en (insgesamt drei, u.a. 1744-87 Pierre de Chaignon), die in Saint-Maurice residierten. In Graubünden finden sich span. R.en ab Mitte des 16. Jh., ab dem 17. Jh. österr. und vereinzelt venetian. R.en; Venedig war ab Ende des 15. Jh. zudem in Zürich sporadisch durch einen R.en vertreten. Gelegentlich entsandten auch Grossbritannien, die Niederlande und Hessen-Kassel R.en in die Schweiz.


Literatur
– L. Sordet, Histoire des résidents de France à Genève, 1854
Repertorium der diplomat. Vertreter aller Länder seit dem Westfäl. Frieden (1648), hg. von L. Bittner et al., 3 Bde., 1936-65
– A. Donnet, La Révolution valaisanne de 1798, 2 Bde., 1984

Autorin/Autor: Rolf Stücheli