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Sense

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Die S. ist ein Erntegerät, das ursprünglich hauptsächlich zum Mähen von Gras Verwendung fand, während für das Getreide v.a. Sicheln eingesetzt wurden (Ernte). Funde lassen darauf schliessen, dass sich kurzstielige, hakenförmige S.n schon zur Hallstattzeit (800-480 v.Chr.) aus der Hakensichel entwickelt haben. Darstellungen von langstieligen, noch heute gebräuchl. S.n finden sich auf ma. Monatsbildern. Ausserdem galt die S. lange Zeit als Attribut des Todes.

Das schwach gebogene, armlange Sensenblatt der S. ist an einem langen, mit zwei Handgriffen versehenen, geraden oder leicht geschwungenen Holzstiel (Sensenbaum) befestigt. Wie die Sichel wurde die S. durch Dengeln (Hämmern) vor und durch Wetzen während der Arbeit geschärft. Die Produktion des Blattes lag in der Deutschschweiz vom MA bis ins 18. Jh. als Monopol bei spezialisierten städt. Sensenschmieden (Segenser). In der Stadt Luzern wurde die Sensenfabrikation von der 2. Hälfte des 14. Jh. bis ins 16. Jh. zum namhaften Exportgewerbe, ebenso in der Stadt Freiburg ab dem Ende des 14. Jh. Im Kampf gegen günstigere Erzeugnisse aus dem süddt. Raum, die als Luzerner S.n ausgeführt wurden, führte die Obrigkeit ab 1417 eine verschärfte Qualitätskontrolle ein. Die Schmiede mussten einen Eid auf die anerkannte Legierung und die persönl. Fabrikationsmarke ablegen. Ab 1429 versah man die v.a. für die Westschweiz und die Genfer Märkte bestimmte geprüfte Exportware zusätzlich mit dem Stadtwappen. Der Markthandel mit Sensenblättern, zum Transport in Fässchen verpackt, lag in der Hand der städt. Eisenhändler. Verzollt wurden die Blätter per Hundert (Zolltarife u.a. im Habsburg. Urbar), verkauft aber nach Gewicht (Zürich 1319). Ein bedeutender Sensenhersteller in der Westschweiz waren die 1783 gegr. Forges du Creux (Gem. Ballaigues), die im 20. Jh. in die ganze Schweiz lieferten (1956 geschlossen).

Erst als ländl. Arbeitskräfte ab den 1860er Jahren knapper und teurer wurden, setzte sich in der Schweiz für die Ernte die mit einem Bügel zur Ablage des gemähten Getreides versehene Kornsense durch. Eine Ausnahme bildete das Engadin, wo die S. schon im Ancien Régime zur Ernte eingesetzt wurde. Dies ist u.a. damit zu erklären, dass mit dem Stroh eine grössere Menge an Futter für den starken Zugviehbestand gewonnen wurde. Spezielle S.n wie die Rüt- oder Staudensense zum Roden von Gebüsch hielten sich in der Deutschschweiz bis ins 19. Jh. Im 20. Jh. von Erntemaschinen verdrängt, wird die S. heute für kleinere Arbeiten, v.a. für den kleinflächigen Grasschnitt, benützt. Mit der S. als Erntegerät verschwand auch die Segensehenki, das üppige Erntedankmahl, das die Bauern zum Ende der Ernte ihren Arbeitern stifteten.


Literatur
Idiotikon 7, 472-476
– A.-M. Dubler, Handwerk, Gewerbe und Zunft in Stadt und Landschaft Luzern, 1982, 147-149
– M. Lemmenmeier, Luzerns Landwirtschaft im Umbruch, 1983, 64-68
– N. Morard, «La métallurgie du fer à Fribourg aux XIVe et XVe siècles», in Abbaye des Maréchaux: Fribourg 1385-1985, 1984, 61-78
LexMA 3, 2180-2183

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler