Buzza di Biasca

Am 30. Sept. 1513 löste sich ein riesiger Bergsturz von der Westflanke des Pizzo Magn (früher Monte Crenone genannt) oberhalb des Dorfs Biasca und versperrte mit einem über 60 m hohen Damm aus Geröllmassen das Bleniotal und schnitt den Brenno ab. Innert anderthalb Jahren staute sich ein 5 km langer See mit einer Wassermenge von 200 Mio. m3 an, der das Dorf Malvaglia vollständig (bis auf die halbe Höhe des Kirchturms) unter Wasser setzte. Die umliegenden Weiler, Felder und Reben wurden ebenfalls überflutet. Am 20. Mai 1515 brach der Damm. Die sich ins Tal ergiessenden Wassermassen überschwemmten die Region von Bellinzona und die Magadinoebene. Zahlreiche Menschen verloren ihr Leben, und die Schäden waren enorm. Zerstört wurde u.a. die Torrettabrücke in Bellinzona (1487 im Auftrag der Hzg. Sforza errichtet) sowie Teile der Mauer, welche die Brücke mit den Burgen verband. Der Verkehr zwischen den beiden Ufern des Ticino bis zum Langensee war und blieb damit während Jahrhunderten unterbrochen. Die Bewohner Biascas beschuldigten die Leute Malvaglias, sich durch Zauberei vom aufgestauten See befreit zu haben. Im Prozess von 1517 wurden die Bewohner Malvaglias von jeglicher Schuld freigesprochen, doch blieben Zweifel und Verdächtigungen lange Zeit bestehen. Der Ausdruck buzza bezeichnet im lombard. Dialekt das bei einer Naturkatastrophe aus einem Flussbett angeschwemmte und abgelagerte Material.


Literatur
– «La magia e la B.», in BSSI, 1915, 4-7
– E. Pometta, «La B. e sue conseguenze», in BSSI, 1928, 105-109
– A. Heim, Bergsturz und Menschenleben, 1932
– «Büza», in Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana 2/2, 1991, 1269-1279

Autorin/Autor: Christophe Bonnard / MS