• <b>Johannes Geiler von Kaysersberg</b><br>Der Prediger als älterer Mann. Holzschnitt eines unbekannten Künstlers, 16. Jahrhundert (Schweizerische Nationalbibliothek). Das Bildnis ist eine der zahlreichen Kopien des vom Strassburger Künstler Hans Wechtlin gefertigten Holzschnitts, der 1522 auf dem Titelblatt der "Postille" Geiler von Kaysersbergs erstmals erschien und in der Folge zum populärsten Bild des Theologen wurde.

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Geiler von Kaysersberg, Johannes

geboren 16.3.1445 Schaffhausen, gestorben 10.3.1510 Strassburg. Sohn des Hans Geiler, Stadtschreibergehilfen, ab 1446 Stadtschreibers in Ammerschwihr (Elsass), und der Anna Zuber. Nach dem Tod des Vaters 1449 wuchs G. bei seinem Grossvater in Kaysersberg auf. Stud. 1460-71 in Freiburg i.Br. und 1471-75 in Basel. 1462 Bakkalaureus, 1463/64 Magister Artium, 1469 Dekan der Artistenfakultät, 1470 Priesterweihe, 1475 Dr. theol. 1476 Prof. für Theologie in Freiburg i.Br., im gleichen Jahr zum Rektor der Universität gewählt. 1477 Aufgabe der Universitätslaufbahn. 1478-1510 Predigertätigkeit in Strassburg. 1484 Pilgerreise nach Südfrankreich. 1488 mehrmonatiger Aufenthalt beim Augsburger Bf. Friedrich von Zollern.

G. ist v.a. als volkstüml. Prediger (z.B. Predigtzyklus über Sebastian Brants "Narrenschiff", 1498-99) sowie als Mitherausgeber und Übersetzer der Schriften von Jean Gerson bekannt geworden. Sein umfangreiches Werk, das Papst Paul IV. 1559 auf den Index der verbotenen Bücher setzen liess, beruht zu grossen Teilen auf Mitschriften von Hörern, lat. Aufzeichnungen und nachgelassenen Materialien. Es ist dem spätscholast. Denken verpflichtet, wobei Einflüsse des Nominalismus erkennbar sind, und behandelt nahezu alle Bereiche der kirchl. Lehre. In kirchenpolit. Hinsicht ist G. nicht als Vorläufer der Reformation, sondern als Vertreter der religiösen Erneuerungsbewegung des 15. Jh. aufzufassen. Mit der Reformation kam die Rezeption von G.s Werk zu einem abrupten Ende.

<b>Johannes Geiler von Kaysersberg</b><br>Der Prediger als älterer Mann. Holzschnitt eines unbekannten Künstlers, 16. Jahrhundert (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Das Bildnis ist eine der zahlreichen Kopien des vom Strassburger Künstler Hans Wechtlin gefertigten Holzschnitts, der 1522 auf dem Titelblatt der "Postille" Geiler von Kaysersbergs erstmals erschien und in der Folge zum populärsten Bild des Theologen wurde.<BR/>
Der Prediger als älterer Mann. Holzschnitt eines unbekannten Künstlers, 16. Jahrhundert (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Werke
Sämtl. Werke, hg. von G. Bauer, 1989-95
Literatur
VL 2, 1141-1152
TRE 12, 159-162
Nouveau dictionnaire de biographie alsacienne 12, 1988, 1136-1139
LThK 4, 364 f.
– S. Eisenmann, Sed corde dicemus. Das volkstüml. Element in den dt. Predigten des G., 1996
– U. Israel, Johannes G. (1445-1510), 1997

Autorin/Autor: Michael Bärmann